Politik : Ein gefährlicher Freund

Saudi-Arabien unterstützt offenbar die Guerilla im Irak. Das Misstrauen der USA gegen den Verbündeten wächst

Clemens Wergin

IRAK – DER SCHWERE WEG ZUM FRIEDEN

Prinz Saud al Faisal hat dem amerikanischen Präsidenten George W. Bush einiges zu erklären. Beim Besuch des saudi-arabischen Außenministers musste Faisal sich am Dienstag in Washington wegen der Vorwürfe des US-Kongresses im Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11. September rechtfertigen. Und jetzt gibt es auch noch Hinweise darauf, dass bei den Guerillaattacken im Irak auf US-Soldaten auch Saudi-Arabien seine Finger mit im Spiel hat.

Nach Informationen des Tagesspiegels aus westlichen Geheimdienstkreisen werden Millionen von Dollars aus Saudi-Arabien an sunnitische Stammes- und Religionsführer im Irak gezahlt, die in den Guerillakampf verwickelt sind. Den Berichten zufolge werden Waffen und Sprengstoff über die Wüstengrenze in den Irak gebracht. Zudem sind in der Provinz Al-Anbar wahabitische Mudschaheddin gesichtet worden, die dort an Angriffen auf Amerikaner beteiligt gewesen sein sollen. Die US-Regierung scheint ebenfalls Hinweise darauf zu haben, dass Saudi-Arabien an Attacken auf US-Streitkräfte beteiligt ist. So berichtete die „Washington Times“ unter Bezug auf Quellen im Kongress über eine Untersuchung bisher unveröffentlichten Geheimdienstmaterials. Daraus sei ersichtlich, dass wahabitische Agenten an Angriffen auf US-Soldaten beteiligt waren.

Saudi-Arabien hat sich früh auf den Sturz des Saddam-Regimes vorbereitet. Der saudi- arabischen Regierung ist daran gelegen, die Macht der Sunniten im Irak zu erhalten. Damit will Saudi-Arabien der Einflussnahme Irans auf die irakischen Schiiten begegnen und verhindern, dass die Schiiten zu viel Macht im Irak bekommen. Zu diesem Zweck gründeten hohe saudische Würdenträger nach Informationen westlicher Geheimdienste schon vor dem Krieg eine geheime private Stiftung, die von zwei ehemaligen hochrangigen Mitarbeitern des saudischen Geheimdienstes geleitet wird. Westlichen Sicherheitskreisen zufolge wird dieses Geld nun auch zur Unterstützung des hauptsächlich sunnitischen Widerstandskampfs im Irak verwandt. An diesem geheimen Irakfonds sollen auch der saudische Innenminister, Prinz Nayef, und der Gouverneur der Region Rijad, Prinz Salman, beteiligt sein sowie zwei bekannte saudische Banker, die Brüder Al-Rajhi. Die Prinzen gehören zum engeren Machtzirkel um den faktischen Regenten Abdullah und sind Brüder von König Fahd.

Nayef und Salman haben schon zuvor fragwürdige Projekte unterstützt. So war Salman daran beteiligt, muslimische Kämpfer in Bosnien-Herzegowina und Tschetschenien zu unterstützen. Nayef ist Präsident des „Saudischen Rates für die Unterstützung der Intifada“. Diese Organisation unterstützt soziale Einrichtungen in den besetzten Gebieten. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen landete das Geld oft bei der militanten Hamas.

Seit dem 11. September haben die Amerikaner Saudi-Arabien gezwungen, die Geldflüsse der Nichtregierungsorganisationen stärker zu kontrollieren. Diese erhalten seitdem weitaus weniger Spenden. Stattdessen werden private Stiftungen gegründet, die schlechter zu überwachen sind. So sollen die Finanzen des geheimen Irakfonds nicht aus Regierungsquellen kommen und nicht mit der Religionssteuer „Zakat“ bestritten werden, die für den „Saudischen Rat für die Unterstützung der Intifada“ eingesetzt wurde. Stattdessen sollen eng mit der Regierung verbundene Geschäftsleute und Privatleute für die Ausstattung des Fonds aufkommen.

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