Politik : Ein Geisterschiff wird in Frankreich zur Staatsaffäre

Rudolf Balmer

Paris - Die letzte Fahrt geht nach Indien. Doch erst nach Pressionen der Pariser Staatsführung hat Ägypten dem französischen Flugzeugträger „Clemenceau“ am Wochenende die Durchfahrt durch den Suez-Kanal erlaubt. Der Streit um dessen geplante Verschrottung auf dem Subkontinent droht nun zur Staatsaffäre zu werden. Seit Freitag drehte der Flugzeugträger „Clemenceau“ – besser gesagt, was seit seiner Ausmusterung 1997 davon übrig geblieben ist – vor dem Suez-Kanal im Schlepptau seine Runden.

Der einstige Stolz der französische Kriegsmarine ist ein Geisterschiff geworden. Weil der abgetakelte Flugzeugträger noch tonnenweise Asbest enthält, ist über die Entsorgung in der westindischen Werft von Alang im Staat Gujarat Streit entbrannt. Zwei Greenpeace-Aktivisten hatten das Schiff sogar auf seiner Fahrt durchs Mittelmeer für eine kurze Protestaktion geentert. Zusammen mit anderen Umweltorganisationen wirft Greenpeace dem französischen Staat vor, er wolle sein Entsorgungsproblem in unverantwortlicher Weise loswerden und setze dabei die Gesundheit der Arbeiter der indischen Firma Shree Ram Scrap Vessel in fahrlässiger Weise aufs Spiel. Überhaupt sei die letzte Fahrt des „Clemenceau“ wegen der von Frankreich ratifizierten Basler Konvention über den Giftmüllexport illegal.

Dieser Einwand gab den ägyptischen Behörden zu denken. Sie untersagten einstweilig die Fahrt durch den Suez-Kanal in Richtung Indien und verlangten von der französischen Regierung, sie müsse mit zusätzlichen Dokumenten offiziell bescheinigen, dass keine gefährlichen Gifte transportiert würden. Noch ist nicht bekannt, welche Zusicherungen Paris machte. Doch es brauchte angeblich eine direkte Intervention von Präsident Jacques Chirac bei Ägyptens Staatschef Hosni Mubarak, um das grüne Licht der Suez-Kanalbehörde zu bekommen. Das Verteidigungsministerium hatte argumentiert, es handle sich um ein staatseigenes Kriegsschiff, das den Kanal während seiner 42 Dienstjahre schon zigmal anstandslos durchquert habe.

In Wirklichkeit jedoch handelt es sich bei dem Kriegsschiff um ein 27 000 Tonnen schweres Ungetüm um einen ausgehöhlten Rumpf. Für die Umweltschützer ist es wegen der 50 bis 115 Tonnen asbesthaltigen Rückstände schlicht eine „schwimmende Mülltonne“. Ihr Schicksal ist ungewiss. Denn in Indien hat eine Kommission des obersten Gerichtshofs empfohlen, das Asbest-Wrack zurückzuschicken.

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