Politik : Ein gutes Zeugnis Chefbischof Zollitsch feiert 70. Geburtstag

Martin Gehlen

Berlin - Er ist jung geblieben, auch wenn er heute 70 Jahre alt wird. Seit gut einem halben Jahr steht Robert Zollitsch nun an der Spitze der deutschen Bischofskonferenz – und kommt gut an. Um seine Person macht er wenig Aufhebens, kann zuhören und weiß die Menschen anzusprechen. „Ich suche nicht die Schlagzeile, sondern das Gespräch“, ist seine Devise.

Und selbst die katholische Reformbewegung „Wir sind Kirche“ stellt dem Freiburger Erzbischof ein gutes Zeugnis aus. „Robert Zollitsch ist ein Mann des Dialogs“, heißt es in einer Stellungnahme. „Wir begrüßen in seiner bisherigen Amtsführung besonders sein Eintreten für die Ökumene, seine differenzierten Aussagen zum Pflichtzölibat und sein andauerndes Bemühen um den jüdisch-christlichen Dialog.“ In der Tat: Seine herzliche Umarmung mit dem Rabbiner Henry G. Brandt auf dem Katholikentag in Osnabrück hat die jüdisch-christliche Ökumene neu beflügelt. Der scharfe Streit um die von Papst Benedikt XVI. neuformulierte Karfreitagsbitte ist seither in den Hintergrund gerückt.

Auch in gesellschaftlichen und politischen Fragen sind Zollitschs Ansichten so erfahrungsnah und vielschichtig wie sein Lebenslauf. 1938 in Filipovo im ehemaligen Jugoslawien geboren, wurde seine Familie am Ende des Zweiten Weltkrieges vertrieben. Titos Partisanen quälten die Flüchtlinge monatelang in einem Arbeitslager, seinen 16-jährigen Bruder richteten sie hin. Über Ungarn gelangte die Familie schließlich nach Deutschland, wo sie in Mannheim eine neue Heimat fand. Unprätentiös spricht Zollitsch auch heute noch von diesem Kriegstrauma und seinen Glaubenszweifeln als Jugendlicher, von seiner ersten Liebe und seiner Suche auf dem Weg zum Priesterberuf.

2003 zum Freiburger Oberhirten ernannt, machte sich Zollitsch als einer der Ersten daran, die unter Priestermangel leidenden Gemeinden zu Seelsorgeeinheiten zusammenzufassen. „Das kirchliche Leben hat sich in der Vergangenheit sehr auf den Priester konzentriert. Das ist nicht der Weg, der in der Zukunft alleine trägt“, beschrieb er damals sein Reformanliegen, das inzwischen auch für andere Diözesen wegweisend ist. Er setzte darauf, Seelsorge künftig in mehr Hände zu legen – in die von Diakonen, Ordensleuten, Pastoral- und Gemeindereferenten, Religionslehrern und Ehrenamtlichen. Mutiger als bisher müsse die Kirche auf die neuen Fragen der Zeit zugehen, sagte er damals. „Wer sich bewahren will, muss sich ändern“, lautet sein Motto als Bischof und als Chef der Bischofskonferenz. „Wir brauchen keine verdrossene und von Selbstzweifeln geplagte Kirche.“ Schwarzseher und Angstmacher gebe es genug. „Sie lähmen und führen nicht in die Zukunft.“ Martin Gehlen

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