Politik : Ein Herz für Tiere

Die CDU in Niedersachsen scheint mit sich im Reinen – nur Angela Merkel redet den Delegierten beim Parteitag ins Gewissen

Klaus Wallbaum[Hannover]

Als Angela Merkel erscheint, wird es plötzlich wieder Sommer. Über Hannover dringt die Sonne durch die Wolken, auch im Tagungssaal heitert es auf. Mit kräftigem Applaus empfangen die 500 Delegierten und Gäste des CDU-Landesparteitags ihre Bundesvorsitzende. Musik untermalt ihren Einzug, und Merkel sagt wenig später, sie fühle sich „hier in Niedersachsen ein bisschen wie zu Hause“.

Ihr Auftritt ist der Abschluss eines Parteitags, der viel harmonischer verlief als vermutet. Was hatte die Parteiführung nicht alles erwartet – Proteste gegen Sparbeschlüsse, Gerangel um Kürzungspläne und Personalentscheidungen. Und was geschah? Die Zahl der Demonstranten vor der Tür blieb überschaubar, die Sparpolitik war kaum Thema,die Wahlen bescherten den Kandidaten glänzende Ergebnisse: 97,3 Prozent für den Landesvorsitzenden Christian Wulff, über 80 Prozent für die Stellvertreter Friedbert Pflüger (Hannover), Martina Krogmann (Stade) und Heinrich-Wilhelm Ronsöhr (Helmstedt). Nüchtern, geschäftsmäßig und gut gelaunt absolvierte der Parteitag die Tagesordnung. Keine Jubelstürme, keine Euphorie, aber auch kein Missmut.

Merkel mahnt, dies sei „nicht die Zeit für Kalauer, sondern für ein ernstes Gespräch“. Deutschland müsse „den Anspruch haben, an den großen Entwicklungen in der Welt teilzuhaben“. Sie spricht von den Notwendigkeiten einer Reform. So sei es nicht in Ordnung, wenn in ihrer Heimat Mecklenburg 15 Jugendliche Arbeit in Dänemark suchten – weil selbst dort, nicht nur in Osteuropa, die Lohnnebenkosten niedriger seien. Die CDU-Chefin warnt vor dem Ausstieg aus der Kernenergie, den Deutschland „völlig übereilt“ angehe, fordert mehr Arbeitsangebote für Arbeitslose und Lohnkostenzuschüsse und ermahnt die eigene Partei, die Debatten manchmal „mit weniger Schaum vor dem Mund“ zu führen – etwa den Streit um den Kündigungsschutz.

Auch ein regionales Thema streift Merkel – den Zoo in Hannover: Vor Jahren habe sie für den Pinguin „Helmut“ die Patenschaft übernommen. Wenn sie nun lese, dass die Region Hannover „lieber ein großes neues Verwaltungsgebäude“ baue als die geplante Alaska-Landschaft im Zoo, dann sei sie entsetzt. „Ich bin dann eher für Helmut und neue Investitionen im Zoo.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben