Politik : Ein Hilferuf – gegen Castro

Juan Carlos Leiva ist seit anderthalb Jahren in Haft und wartet auf seinen Prozess. Jetzt berichtet der kubanische Bürgerrechtler in einem Brief auch über Folter

Christian Böhme

Die Botschaft ist eindeutig: „Mein Name ist Juan Carlos Gonzalez Leiva, ich bin Präsident der Kubanischen Stiftung für Menschenrechte und seit 16 Monaten ohne Gerichtsverhandlung im Gefängnis.“ Mit diesem Satz beginnt der Anwalt seinen Brief, den er an „das Volk Gottes, Herrn Kofi Annan, Generalsekretär der Vereinten Nationen, den US-Kongress und die nationale und internationale öffentliche Meinung“ richtet. Datiert ist das Schreiben auf den 15. Juli. Jetzt hat die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte die zwei Seiten erhalten – zwei Seiten, auf denen der 38-Jährige sein Leiden in einem Gefängnis der kubanischen Staatssicherheit beschreibt und sich gegen den Vorwurf wehrt, er sei geistig verwirrt.

Der Brief ist offenbar vor einigen Wochen aus der Haftanstalt in Holguin geschmuggelt worden. Dann gelangte er nach Florida. Die dort ansässige „Koalition kubanisch-amerikanischer Frauen“ informierte schließlich die Gesellschaft für Menschenrechte und übermittelte den Text nach Deutschland. Es ist das zweite Mal, dass ein Brief von Leiva die Öffentlichkeit erreicht. Vor gut einem Jahr hatte der blinde Bürgerrechtler erstmals auf sein Schicksal aufmerksam gemacht.

Schon seit Monaten geht das Regime von Staatschef Fidel Castro mit aller Härte gegen Oppositionelle vor. Überall ist die Polizei präsent, immer wieder gibt es willkürliche Festnahmen, berichten Zeugen. Erst vor kurzem wurden Regime-Gegner – vor allem Journalisten und Schriftsteller – zu hohen Haftstrafen verurteilt, die Entführer eines Schiffes zum Tod. Proteste aus dem Ausland gab es viele, sie blieben ohne Erfolg.

Leiva war am 4. März 2002 festgenommen worden. Er hatte damals mit anderen Menschenrechtsaktivisten in Ciego de Avila gegen die Misshandlung eines Journalisten durch die Staatssicherheit protestiert. Seitdem wartet er auf einen Prozess. In seinem Brief, der dem Tagesspiegel vorliegt, erhebt er schwere Vorwürfe gegen die kubanischen Behörden und gegen die Wärter. „In den 16 Monaten, die ich hier an diesem schrecklichen Ort verbracht habe, habe ich brutalste körperliche und psychologische Folterungen zu ertragen gehabt (…) .“ Auf Details der Grausamkeiten, die man ihm antue, geht der tief gläubige Baptist nicht ein. Als Beispiel erwähnt er lediglich, dass „chemische und biologische Substanzen“ auf seinen Körper gestreut worden seien. Aus Protest gegen die Haftbedingungen war der Jurist nach Angaben der Gesellschaft für Menschenrechte im Herbst 2002 für drei Monate in den Hungerstreik getreten. Danach habe Leiva nur noch 45 Kilo gewogen. Er klagt in dem Schreiben über „Schmerzen in den Lungen, Kopfschmerzen, Brechreiz und Schmerzen in den Augen“. Sein Gesundheitszustand sei kritisch, glauben deutsche Menschenrechtler.

Die Beschreibung der Haftbedingungen ist nur ein Teil des Hilferufes. In dem Schreiben wehrt sich Leiva auch gegen „verleumderische Beschuldigungen“ durch die kubanische Regierung. Havanna habe ihn in einem von der UN-Menschenrechtskommission in Genf angeforderten Bericht als geistig verwirrt und selbstmordgefährdet bloßstellen wollen. Alles nur erfunden, klagt der Inhaftierte. Schon sein Glauben verbiete es ihm, selbst Hand an sich zu legen. „Ich appelliere an den Hochkommissar für Menschenrechte der UN und bitte die kubanische Regierung um Erlaubnis, qualifiziertes Personal nach Kuba kommen zu lassen, um mich verschiedenen psychiatrischen und körperlichen Prüfungen zu unterziehen.“ Dass es dazu in absehbarer Zeit kommt, glaubt Leiva offenbar selbst nicht. Er fürchtet das Gegenteil. Der letzte Satz seines Briefes lautet: „Was immer mit mir geschieht während dieser Haftzeit, dafür trägt die kubanische Regierung die alleinige Verantwortung.“

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