Politik : „Ein inszenierter Tabubruch“ Salomon Korn über die Liberalen

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Herr Korn, Jürgen Möllemann hat seine Aussagen über Zentralratsvize Michel Friedman bedauert. Reicht Ihnen diese Entschuldigung?

Ich bezweifle, dass er es bedauert hat. Er hat betont, so hätte er das nicht sagen sollen. Man muss doch die Äußerungen von Möllemann im Zusammenhang mit seinen Bemerkungen über Selbstmordanschläge in Israel sehen. Hinzu kommt, dass er immer noch an einem Herr Karsli festhält, der älteste antisemitische Stereotypen verbreitet hat.

Möllemann zeigt keine ehrliche Reue?

Nein. Der FDP-Vize wird immer zu seinen Entschuldigungen getragen. Möllemann zündelt hier, steckt dort an. Dann kommen die Alten aus der FDP und löschen. Danach sagt Möllemann: So habe ich das nicht gemeint. Später zündelt er wieder woanders.

Sollte der Zentralrat dennoch mit der FDP wieder das Gespräch suchen?

Wir können gerne reden. Vorausgesetzt, Möllemann entschuldigt sich glaubhaft.

Aber Parteichef Guido Westerwelle hat doch hervorgehoben, dass es in der FDP keinen Platz für Antisemiten gebe.

Die FDP hat Erfahrung mit Antisemitismus. In der Nachkriegszeit war sie ein Sammelbecken für Altnazis. Davon hat sie sich befreit. Jetzt fängt die Partei aber an, sich wieder mit dieser „Tradition“ auseinander zu setzen. Da fehlt Sensibilität. Westerwelle ist ein Virtuose auf der Klaviatur des Zeitgeistes.

Und Möllemann?

Der ist ein Experte für gesellschaftliche Windrichtungen.

Gehört dazu der Tabubruch?

Es gibt keine Tabus in Deutschland. Was die FDP hier treibt, ist inszenierter Tabubruch, und der ist wegen möglicher Trittbrettfahrer aus dem rechten Spektrum sehr gefährlich.

Das Gespräch führte Christian Böhme.

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