Politik : „Ein internationales Klonverbot ist möglich“

Forschungsministerin Bulmahn über die Heilchancen der Gentechnik, Untersuchungen von Embryonen – und Schurkenstaaten in der Biopolitik

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Frau Bulmahn, interessiert es Sie, wie die Klonkinder der RaelianerSekte aussehen?

Es ist unverantwortlich, wie diese obskure Sekte sich verhalten hat. Ich halte die Meldung aber auch für falsch und glaube nicht, dass tatsächlich ein Mensch geklont worden ist. Man könnte auch sagen, es war ein gelungener Werbegag, was ich bedaure, weil ich das Vorgehen für verantwortungslos halte.

Wir können also beruhigt sein. Es gibt kein Klonkind „Eve“ …

Die Eve, die uns angekündigt worden ist, gibt es nicht. Davon bin ich überzeugt.

Es gibt auch keinen Staat der Welt, der das reproduktive Klonen befürwortet. Trotzdem schafft es die Staatengemeinschaft nicht, es international zu verbieten. Warum?

Ich glaube, dass es möglich ist, zu einem internationalen Klonverbot zu kommen. An diesem Ziel hält die Bundesregierung fest. Wir müssen mit den Staaten jetzt verhandeln, wie wir das Ziel erreichen. Sie wissen, dass es bei internationalen Verhandlungen nicht nur zwei, drei Monate dauert. Mir kommt es aber darauf an, dass wir jetzt nicht jahrelang verhandeln, sondern noch in diesem Jahr zu einem Ergebnis kommen.

Deutschland hat bisher die Auffassung vertreten, dass man, um das reproduktive Klonen verbieten zu können, das therapeutische Klonen erst mal ausklammern müsse. Nun zwingt der Bundestag die Regierung, doch beides bei den Verhandlungen zusammenzupacken. Und Sie wollen dem folgen. Gestehen Sie damit nicht Ihr Scheitern ein?

In internationalen Verhandlungen müssen Sie immer offen sein, auch Taktiken zu verändern. Es ist kein Scheitern, und es ist auch kein wirklicher Wechsel in der Taktik.

Sie haben noch im Dezember gesagt, nur wer nichts erreichen wolle, verfolge beim Klonverbot eine Alles-oder-Nichts-Strategie. Das war Ihre Antwort auf die Forderung der CDU-Politikerin Maria Böhmer, das therapeutische Klonen nicht außen vor zu lassen…

Während die Böhmers über den Weg diskutieren, geht’s mir darum, das Ziel zu erreichen. Und ich würde es für verantwortungslos halten, wenn man den Weg als das Ziel beschreibt. Wir müssen international sicherstellen, dass eine große Zahl der Länder – ich würde mir wünschen: alle Länder – sagen, wir zeichnen eine Konvention, die verbietet, dass in irgendeinem Land der Welt ein Klonmensch geschaffen wird.

Wie hat denn die Innenpolitik, der Druck der Grünen, die Wahl Ihres Weges beeinflusst?

Dieses Thema ist keines, das entlang von Fraktionsgrenzen zu ziehen ist. Sie finden bei der CDU verschiedene Positionen, bei den Grünen, bei der SPD. Aber es gibt eine gemeinsame Position: Wir haben im Bundestag mit breiter Mehrheit beschlossen, dass in Deutschland kein Mensch kloniert wird.

Wo ist denn für Sie die Grenze der Genforschung? Ist alles gut, was Heilung verspricht?

Nein. Für mich ist aber auch Heilung ein ganz wichtiges Ziel von Forschung. Und auch ein wichtiger Bestandteil der Verantwortung von Politikern, erfolgversprechende Wege, die zu besserer Therapie, zu größeren Heilungschancen führen, nicht von vornherein auszuschließen. Aber für mich gibt es auch klare Grenzen: zum Beispiel die Herstellung von Embryonen zu Forschungszwecken. Wir haben ja in Großbritannien eine gesetzliche Regelung, die das zulässt. Das würde ich nicht mittragen.

Halten Sie Länder wie England oder Russland, also Anhänger des therapeutischen Klonens, für genpolitische Schurkenstaaten?

Ich halte sie nicht für Schurkenstaaten. Deshalb sage ich ja, dass man den Weg einer internationalen Konvention gehen sollte. Auch ein Land wie Russland ist ja bereit, diesen Weg zu gehen. Ich hatte kürzlich ein Gespräch mit dem russischen Forschungsminister, der meine Auffassung in vielen Bereichen teilt. Deshalb sehe ich auch eine gute Chance für eine internationale Konvention.

Die Enquetekommission „Recht und Ethik der modernen Medizin“ hat gut gearbeitet. Sollte man diese Kommission erneut einberufen?

Ich halte es für notwendig und richtig, dass das Parlament das Recht hat und auch die Möglichkeit, sich sehr intensiv mit einem Thema zu beschäftigen und dazu auch wissenschaftlichen Sachverstand heranzuziehen. Welche Themen das sind, das entscheidet der Bundestag und niemand anders.

Einige Abgeordnete wollen das Stammzellgesetz verändern. Viele Forscher klagen, dass die Stammzellen, die nach Deutschland importiert werden dürfen, zu alt und zu teuer seien.

Natürlich müssen wir und werden wir immer wieder auch fragen, ist die Regelung, die wir da getroffen haben, auch richtig. Das ist Bestandteil des Lebens und erst recht Bestandteil einer Demokratie.

Besteht denn nicht die Gefahr, dass Forscher deshalb ins Ausland abwandern?

Ich glaube nicht. Wir haben ja den Wissenschaftlern ermöglicht, mit importierten Stammzellen zu arbeiten. Wir haben dadurch auch nicht den Weg verschlossen, zu neuen Erkenntnissen zu kommen. Und wir haben gleichzeitig, in hohem Maße, auch den Schutzgedanken gesetzlich verankert.

Das Thema Präimplantationsdiagnostik (PID) betrifft allenfalls ein paar hundert Paare in Deutschland. Warum müssen wir uns eigentlich vertiefte Gedanken darüber machen?

Wir wissen nicht, wie viele Menschen diese Methode nutzen würden. Ich glaube, das ist auch nicht allein entscheidend. Wir haben jetzt Methoden, mit denen wir in einem sehr frühen Stadium Krankheitsbilder feststellen können. Das ist eine Frage von großer Bedeutung. Bisher ist in Deutschland ja eine Diagnostik nur möglich, wenn eine Schwangerschaft bereits begonnen hat.

Sind Sie denn mit dem gegenwärtigen Zustand zufrieden, dass Deutsche, die eine PID machen lassen wollen, dies im Ausland tun?

Ich halte vor allem einen Umstand für hochproblematisch: dass nämlich beim Vorliegen einer schweren Krankheit des Embryos Abtreibungen noch zu einem sehr späten Zeitpunkt möglich sind.

Gegner argumentieren, dass sich durch die PID die Akzeptanz für Behinderte in unserer Gesellschaft ändern wird.

Der Ethikrat beschäftigt sich mit dem Problem umfassend. Warten wir dessen Stellungnahme ab. Danach wird sich auch der deutsche Bundestag intensiv mit der Frage befassen müssen.

Das Gespräch führten Markus Feldenkirchen und Rainer Woratschka.

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