Politik : Ein Ja in vorletzter Minute

Die Annahme der Resolution ist in irakischen Medien kaum Thema

Anne-Beatrice Clasmann (dpa)

Kairo. Mit seiner Zustimmung zum jüngsten UN-Beschluss für verschärfte Waffenkontrollen hat der irakische Präsident Saddam Hussein seinen Kopf in letzter Minute aus der Schlinge gezogen. Denn er weiß genau, dass er den Kriegsbefürwortern in Washington mit einem „Nein“ die ideale Vorlage für einen Militärschlag geliefert hätte. So einfach will Saddam Hussein den Amerikanern den Sturm auf Bagdad dann doch nicht machen.

Auch wenn in Diplomatenkreisen bereits darüber spekuliert wird, welches Land den von den USA vertriebenen Hussein-Clan demnächst aufnehmen wird – im Gespräch ist unter anderem Ägypten – glaubt der irakische Präsident immer noch fest an sein politisches Überleben.

Wie ihr Staatsoberhaupt entschieden hatte, wussten die Iraker bereits seit Dienstag, als Saddams ältester Sohn Udai sich für die Annahme der Resolution aussprach, „weil es keine andere Möglichkeit mehr gibt“. Doch weder Saddam noch sein Volk geben sich nun der Illusion hin, dass die Kriegsgefahr durch die Zustimmung zur Resolution 1441 gebannt ist. Denn sie wissen, dass die beiden Sicherheitsratsmitglieder USA und Großbritannien, wenn die Waffenkontrollen erst einmal angefangen haben, jeden noch so geringen Verstoß gegen die Auflagen der Vereinten Nationen nutzen könnten, um den Konflikt erneut eskalieren zu lassen.

Auch wenn es aus Sicht der Vereinten Nationen nur ein kleiner Schritt ist, den Saddam Hussein mit der Anerkennung der neuen Resolution macht. Für den Machtmenschen vom Tigris ist es eine schwere Entscheidung gewesen. Denn seine Herrschaft gründet sich auf drei Pfeiler: Seinen eigenen Familienclan, die totale Überwachung der irakischen Bürger und das von der staatlichen Propaganda verbreitete Bild des allmächtigen, unbeugsamen Saddam, der selbst eine Großmacht wie die Vereinigten Staaten von Amerika herausfordern kann.

Die Nachricht von der Zustimmung Bagdads zur Resolution sickerte am Mittwoch zuerst in New York durch. Die Menschen im Irak, die keinen Zugang zu ausländischen Medien haben, erfuhren erst mit einiger Verspätung davon. Im staatlichen Fernsehen bekamen sie allerdings zunächst nur die im islamischen Fastenmonat Ramadan so beliebten Seifenopern und Historienfilme zu sehen.

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