Politik : Ein jüdischer Wiener Journalist über Haider, Österreich und Israel

Frank Jansen

Er hat mit seinen Eltern 1938 Österreich verlassen, verlor 36 Angehörige in Auschwitz, kämpfte in der Armee des jungen Staates Israel, kehrte 1951 nach Österreich zurück und berichtet aus Wien für den israelischen Rundfunk - die Biografie von Karl Pfeifer garantiert wohl größtmögliche Aufmerksamkeit für die Politik von Jörg Haider. Sowie eine temperamentvolle Bewertung der Reaktionen in Österreich und Israel auf den Wahlerfolg der FPÖ. Vor allem Teilen der Linken in beiden Ländern attestiert der 71-jährige Journalist bei seinem Besuch in Berlin mangelnden Realitätssinn.

Die österreichische Sozialdemokratie habe, anders als die deutschen Genossen, "mit dem inneren Schweinehund" des Landes ihren Frieden geschlossen. Pfeifer zitiert Karl Renner, 1938 Befürworter des Anschlusses an Deutschland und 1945 erster demokratischer Regierungschef Österreichs: Die kleinen Nazis hätten nur gewollt, "dass man den Juden was tut, aber doch keinen Weltkrieg auslöst". Einen wesentlichen Grund für die Milde der SPÖ sieht Pfeifer in gemeinsamen Erfahrungen von Sozialisten und Nazis. Von 1933 bis 1938 war Österreich einem klerikal-autoritären Regime unterworfen, Rote und Braune fanden sich hinter Stacheldraht wieder. Pfeifer meint, "da sind Sympathien entstanden" - ein Element der "Lebenslüge" Österreichs, erstes Opfer von Hitler gewesen zu sein.

In Israel habe die Linke bislang meist Deutschland beobachtet, der Antisemitismus in Österreich sei, abgesehen von der Affäre 1986 um Kurt Waldheim, wenig thematisiert worden. Seine eigenen Perspektiven beschreibt Pfeifer so: "Ich will sehen: Zu was Österreich fähig ist."

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben