Politik : Ein Kapitalist in Afrika

Der neue Weltbank-Chef Wolfowitz will die Armut bekämpfen und den Kontinent für Investitionen öffnen

Wolfgang Drechsler[Kapstadt]

Besser hätte der Einstieg von Paul Wolfowitz als neuer Chef der Weltbank nicht verlaufen können. Kaum war der frühere Pentagon-Vize am Wochenende zu seiner ersten offiziellen Dienstreise nach Afrika gestartet, da verkündeten die sieben führenden Industrienationen und Russland (G8), den 18 ärmsten Ländern ihre Milliardenschulden zu erlassen. Laut Einigung entfallen auch die Schulden von 14 afrikanischen Staaten bei der Weltbank – und zwar mit sofortiger Wirkung.

Ohne die Billigung des US-Falken Wolfowitz, einer Triebfeder des Irakkriegs, wäre dies nicht möglich gewesen. Der von dem 61-Jährigen unterstützte Schuldenerlass und seine Afrikareise unmittelbar nach dem Amtsantritt am 1. Juni dürften dazu beitragen, das tiefe Misstrauen gegenüber Wolfowitz in Afrika aufzuweichen. Hier sind viele besorgt, dass der neue Chef die Weltbank womöglich zum verlängerten Arm der US-Regierung machen und einige Errungenschaften aus der Ära seines Vorgängers James Wolfensohn in Frage stellen könnte – allen voran den Kampf gegen die Armut.

Viele Afrikaner rechnen insgeheim mit einer Neuauflage strikter wirtschaftlicher Reformpläne – auf Kosten von Bildung und Gesundheit. Schließlich hat gerade erst eine interne Studie der Weltbank den Nutzen des zuletzt eingeschlagenen Weges hinterfragt und indirekt eine stärkere Hinwendung zum Wachstumsgedanken empfohlen, weil Afrika so arm bleibt, wie es immer war.

Zum Auftakt seiner Reise, die ihn über Nigeria, Burkina Faso und Ruanda nach Südafrika führt, präsentierte sich Wolfowitz als beratungsoffen. Ziel der Reise sei, von Afrikas Führern, mehr aber noch den einfachen Menschen vor Ort zu hören, wie der Kontinent endlich Fortschritte machen könne. Gleichzeitig forderte Wolfowitz ausdrücklich mehr Eigeninitiative der Afrikaner. Die Gelegenheit sei günstig, weil viele Afrikaner verstünden, dass sie künftig mehr Verantwortung für sich übernehmen müssten. Dabei verwies der Weltbank-Chef einmal mehr auf die Korruption.

Wolfowitz ist von den Heilkräften des freien Marktes überzeugt und dem Prinzip einer freien, offenen Gesellschaft verpflichtet. Schon deshalb dürfte er auch mehr als sein Vorgänger Wolfensohn bereit sein, korrupten Machthabern die Leviten zu lesen. Bereits auf früheren Posten in Indonesien und auf den Philippinen hatte er die dortigen Regime zu einem schnelleren demokratischen Wandel gedrängt. Auch in Nigeria wiederholte Wolfowitz seine Ansicht, dass mehr Entwicklungshilfe allein Afrika nicht aus seiner Misere befreien könne. Für ihn sind vor allem stärkere Privatinvestitionen der Schlüssel zum Erfolg.

Zustimmung erhält Wolfowitz von langjährigen Afrikabeobachtern wie Greg Mills von der südafrikanischen Brenthurst-Foundation. Erst wenn in Afrika ein anlegerfreundliches Klima herrsche, werde der Kontinent den notwendigen Übergang von der staatlichen Entwicklungshilfe zu den dringend benötigten Privatinvestitionen schaffen, prophezeit Mills. In der Tat übersehen die medienwirksamen Kampagnen für Schuldenerlass und mehr Hilfsgelder allzu oft, dass riesige Summen an Privatkapital um den Globus zirkulieren. Bislang haben davon allerdings weniger als ein Prozent den Weg nach Schwarzafrika gefunden. Auch kritisieren Beobachter, das viele Banken in Afrika auf hohen Geldsummen sitzen, ohne sie jenen kapitalschwachen Kleinunternehmen verfügbar zu machen. Ein Grund dafür ist, dass die meisten Banken ihr Geld nicht gegen einen Geschäftsplan verleihen, sondern eine Sicherheit von 100 Prozent der Kreditsumme verlangen – die Afrikas Kleinunternehmen nur selten leisten können.

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