Politik : Ein Kern fürs Kanzleramt

Robert Birnbaum

Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel steht der Forderung der CSU nach rascher Aufstellung einer "Kernmannschaft" für den Bundestagswahlkampf weiterhin erkennbar reserviert gegenüber. Bei einer Pressekonferenz mit CSU-Chef Edmund Stoiber in Berlin wies Merkel das Drängen der Schwesterpartei mit dem Hinweis zurück, jeder solle sich auf Forderungen beschränken, die sich im Rahmen der eigenen Partei bewegten. Beide kündigten an, "in absehbarer Zeit" einen gemeinsamen Vorschlag unterbreiten zu wollen. "Das können wir nur gemeinsam tun", sagte Stoiber. Er verwies gleichwohl auf seine generelle Meinung zum Thema, die ja bekannt sei. CSU-Generalsekretär Thomas Goppel hatte erst am Dienstag gefordert, die Bildung einer Kernmannschaft bis zum CDU-Parteitag in Dresden Anfang Dezember voranzutreiben.

Einen Kommentar zur anhaltenden Kanzlerkandidaten-Debatte lehnten beide Parteichefs ab. "Jede weitere Äußerung nährt ja nur die Spekulationen", sagte Stoiber. Unionsfraktionschef Friedrich Merz (CDU) äußerte in einem Interview die Erwartung, dass die Kandidatenfrage in "acht bis zehn Wochen" entschieden werde, also im Zeitraum von Mitte bis Ende Januar. Dies entspreche dem Fahrplan der beiden Parteivorsitzenden und der Führungsgremien von CDU und CSU. Kritik an der Debatte um Merkel übte die stellvertretende CSU-Vorsitzende Barbara Stamm. "So geht man nicht mit einer Parteivorsitzenden um", sagte Stamm. "Das hat sie nicht verdient." Der baden-württembergische CDU-Fraktionschef Guenther Oettinger versuchte Vermutungen entgegenzutreten, Merkel könnte bei ihrem Auftritt beim Parteitag der Südwest-CDU in Rust am Wochenende ein Debakel erleben. "Ich rate uns allen zu einer sportlich-freundschaftlichen Vorgehensweise", sagte Oettinger. "Ich glaube, das Ganze wird weniger heiß gegessen, als es in der letzten Woche gekocht wurde."

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