Politik : Ein kleiner Stich in das bayerische Herz

Die CSU freut sich verhalten und – zählt sich zu den Vätern des Sieges

Albert Funk

Nein, zugeben wollten sie es am Sonntagabend nicht. Aber es ist wohl schon so gewesen: Der CSU-Führung gaben die Ergebnisse von Hessen und Niedersachsen einen kleinen Stich ins Herz, ein etwas klammes Bedauern, dass es am 22. September vorigen Jahres nicht geklappt hat mit dem Wahlsieg und der Kanzlerschaft für Edmund Stoiber. Der gab sich als wohlwollender Gratulant und reklamierte einen eigenen Beitrag am Sieg: „Der Riesenerfolg von Roland Koch und Christian Wulff ist ein Erfolg für die gesamte Union. Er hat viele Väter und geht zurück auf die gute Zusammenarbeit zwischen CDU und CSU in den Monaten vor und nach der Bundestagswahl.“ Er empfinde keine Trauer im Rückblick, denn die Ergebnisse vom Sonntag seien eine Folge der Bundestagswahl, sagte der bayerische Ministerpräsident dem Tagesspiegel.

Ein klein wenig tiefer ins Herz schauen ließ sich CSU-Generalsekretär Thomas Goppel. „Es tut immer ein bisschen weh, wenn eine neue Entwicklung zu neuen Ergebnissen führt“, meinte er. Im vorigen Jahr habe Gerhard Schröder auf das Thema Irak und die Kriegsangst gesetzt. „Jetzt hat er sich verrechnet. Er hat das Thema nochmals nutzen wollen, aber die Wähler sind ihm nicht mehr gefolgt.“ Und so soll es bleiben, wenn es nach der CSU geht. Das Ergebnis sei „eine Quittung für eine miese Bilanz, für die Ignoranz gegenüber den Anliegen der Arbeitnehmer wie der Arbeitgeber“, so Goppel. Für Stoiber war es „ein Misstrauensvotum gegen Gerhard Schröder und die SPD, wie es in dieser Art noch nicht zu erleben war“.

Stoiber will nun über den Bundesrat ansetzen, um Rot-Grün auf einen Reformkurs zu bringen, den er zumindest bei Schröder vermisst. „Wir haben jetzt die Chance auf einen Politikwechsel in Deutschland. Der Kanzler muss sich entscheiden: will er sich gegen die Gewerkschaften und die Betonfraktion in seiner eigenen Partei durchsetzen, oder will er das nicht.“ Schröder müsse jetzt eine Entscheidung herbeiführen, so Stoiber. „Wenn diese für Reformen ausfällt, dann werden wir sie im Bundesrat mittragen, so wie wir es bei den Hartz-Reformen getan haben.“ Die Union werde nicht Lafontaines Blockadekurs aufnehmen, „denn wir haben Gesamtverantwortung für Deutschland“.

Am 21. September, ein Jahr nach der schmerzhaften Niederlage, stellt sich die CSU in Bayern wieder dem Wähler. Mit Stoiber an der Spitze. Und im Bündnis mit einer CDU, die plötzlich wieder an CSU-Ergebnisse herangekommen ist. „Für die Wahl in Bayern im September ist es ein Ansporn, wir setzen wie immer auf ein Ergebnis 50 plus x“, sagte Stoiber und fügte hinzu: „Vielleicht ist das Ergebnis vom Sonntag sogar ein kleine Herausforderung für uns.“

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