Politik : Ein Königreich für den Revolutionsführer

Gaddafi möchte Präsident eines vereinigten Afrikas werden

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Von Wolfgang Drechsler,

Johannesburg

Die 60 Luxuslimousinen und seine riesige Entourage hätte Libyens Staatschef Muammar al Gaddafi getrost in Südafrika lassen können, als er vor acht Wochen das Land am Kap aus Anlass des Gründungsgipfels der Afrikanischen Union besuchte. Denn jetzt ist Gaddafi wieder zurück in Südafrika – zusammen mit knapp 100 weiteren Staatschefs nimmt Gaddafi seit Montag an den Abschlussverhandlungen des UN-Gipfels für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg teil – und sorgt auch dieses Mal wieder für einige Aufmerksamkeit.

Die Gründe für die immer häufigeren Afrika-Reisen des libyschen Diktators, der seit Jahren wegen der Unterstützung internationaler Terrorgruppen vom Westen geschnitten wird, liegen auf der Hand. Nachdem seine panarabischen Pläne gescheitert sind, setzt Gaddafi nun auf eine engere Kooperation mit den Vereinten Nationen und anderen afrikanischen Staaten, um sein Land aus der Isolation zu führen. Ganz obenan steht dabei nach Ansicht von Jakkie Cilliers vom südafrikanischen „Institute for Security Studies“ sein lang gehegter Wunsch, Präsident eines vereinigten Afrika zu werden. Zu diesem Zweck hat sich der Libyer in Afrika verstärkt engagiert. So schlugen Gaddafis Truppen letztes Jahr einen Putschversuch in der zentralafrikanischen Republik nieder.

Gaddafis Extravaganz und sein Gespür für medienwirksame Auftritte täuschen allerdings oft darüber hinweg, dass der Libyer sein erdölreiches Land seit über 30 Jahren diktatorisch regiert und keinerlei Opposition duldet. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat erst kürzlich darauf hingewiesen, dass in Libyen immer wieder Menschen ohne Gerichtsurteil hingerichtet werden.

Allerdings stößt Gaddafi bei den stärker westlich ausgerichteten Regierungen in Südafrika, Nigeria, dem Senegal und in Ghana mit seinen exzentrischen Plänen auf Vorbehalte. Denn statt die längst überfällige Modernisierung des Kontinents anzugehen, fordert Gaddafi ein „Afrika der Stämme und Häuptlinge aus vorkolonialen Zeiten“. Dies mag Swasi-König Mswati imponieren, der Gaddafi bei einem Besuch im Juli prompt den höchsten Orden des Königreiches verlieh. Die libysche Initiative stößt bei den Architekten des Afrikaplans aber zunehmend auf Widerstand.

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