Politik : Ein Könner beim Kanzler

Stephan-Andreas Casdorff

Er ist nicht nur Diplomat von Beruf - Dieter Kastrup, der neue außenpolitische Berater des Bundeskanzlers, verhält sich auch so. Seit 1965 ist er im Auswärtigen Dienst, im nächsten Jahr, dem der Bundestagswahl, erreicht der 64-Jährige die Pensionsgrenze. Seine Auslandsstationen waren Teheran, Washington, Rom. Seit September 1998 vertritt er Deutschland als Botschafter bei den Vereinten Nationen in New York. Seine langen Jahre in Bonn hat Kastrup immer in wichtigen Positionen verbracht, unabhängig vom Rang. Er war schon als Referatsleiter zuständig für "Berlin und Deutschland als Ganzes", nicht erst als Politischer Direktor und später als Staatssekretär betraut mit der damaligen Europäischen Gemeinschaft, der Nato, der WEU, der KSZE, dem versunkenen Ostblock, der verblichenen Sowjetunion.

Wie gut er ist, darüber könnte der Rekord-Außenminister Hans-Dietrich Genscher lange berichten. Aber auch nach allgemeinem Urteil zählt Kastrup zu den fähigsten Diplomaten der Bundesrepublik. Er war 1990 zentral im Hintergrund bei den Zwei-plus-Vier-Verhandlungen mit den Siegermächten des Zweiten Weltkriegs über die Vereinigung Deutschlands. Dazu am Rande: Er hatte als junger Mitarbeiter Günter van Wells bereits an den Verhandlungen über das Viermächteabkommen teilgenommen. Unter Genscher war der Jurist Kastrup außerdem maßgeblich beteiligt am deutsch-sowjetischen Partnerschaftsvertrag, er beriet den deutsch-polnischen Grenzvertrag und den Vertrag über gute Nachbarschaft mit.

Kurz: Dieter Kastrups Wirken in der bundesdeutschen Politik, die zur Einheit in Freiheit führte, ist unübersehbar; und das nicht, weil er so hoch aufgeschossen ist. Kanzler Helmut Kohl war er ein Dorn im Auge, ein "Soz", ein Sozialdemokrat. Kanzler Gerhard Schröder nahm Kastrup kürzlich, als er in New York war, um die UN und "Ground Zero" zu besuchen, anschließend im Flugzeug mit nach Berlin. Da hielt er sich auch fein im Hintergrund.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben