Politik : „Ein Krieg schürt nur neuen Hass“

Die Warnungen der Kirchen vor einem Irak-Feldzug werden schärfer

Martin Gehlen

Je näher ein Irak-Krieg rückt, desto deutlicher werden die Kirchen in ihrem Protest. In vielen Städten sind Friedensgebete und Mahnwachen geplant. Die evangelischen Kirchen von Deutschland und den USA warnten in einer gemeinsamen Erklärung vor einem Golfkrieg. Ein Krieg schüre nur neuen Hass, der zu weiterem Terrorismus führe, heißt es.

Auch die katholischen Bischöfe aus Deutschland, England und den USA arbeiten derzeit an einer gemeinsamer Stellungnahme. Zuvor hatte Papst Johannes Paul II. einen Diplomatenempfang im Vatikan genutzt, um einen möglichen Krieg gegen Bagdad ebenfalls scharf zu verurteilen. „Krieg ist niemals ein unabwendbares Schicksal. Krieg bedeutet immer eine Niederlage für die Menschheit“, sagte das katholische Oberhaupt, dessen Äußerungen auch in der evangelischen Kirche auf breite Zustimmung stießen. „Krieg ist nicht einfach ein anderes Mittel, das man anwenden kann, um Konflikte unter Nationen zu regeln“, erklärte Johannes Paul II. Bereits im Herbst 2002 hatte er US-Präsident Bush in einem persönlichen Brief vor einem Präventiv-Schlag gegen den Irak gewarnt und die Zuständigkeit der Vereinten Nationen betont.

Auch der Präfekt der Römischen Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, sieht derzeit keine moralische Rechtfertigung für einen Krieg gegen den Irak. Er erinnerte daran, dass nach der traditionellen kirchlichen Lehre ein Krieg nur dann legitimiert werden könne, wenn ein „ganz schwerwiegendes und anders überhaupt nicht zu beseitigendes Unrecht nur auf diese Weise bekämpft werden kann“. Ferner müsse abzusehen sein, dass die aus einem Krieg entstehenden Schäden nicht größer seien als der daraus folgende Nutzen. Zudem dürfe nicht die Zivilbevölkerung auf gravierende Weise gefährdet werden.

Der EKD-Ratsvorsitzende Manfred Kock erklärte, wer mit Waffen rassele, werde diese Welt nicht retten, sondern sie nur in tieferes Elend stürzen. Ähnlich entschieden äußerte sich auch der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Lehmann. Keine Gelegenheit dürfe verpasst werden, ein militärisches Eingreifen zu verhindern, mahnte er. Die Äußerungen des Papstes nannte er im ARD-Fernsehen für Politiker „im äußersten Maße bindend“.

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