Politik : Ein Land trauert

Italien nimmt mit Staatsbegräbnis Abschied von den 19 Irak-Opfern

Thomas Migge[Rom]

Keine Werbung im Fernsehen, Fahnen auf Halbmast, Gedenkminuten in Schulen und Fabriken und geschlossene Geschäfte. Der Tod der 19 im Südirak bei einem Attentat ermordeten italienischen Soldaten und Carabinieri löste eine nationale Trauer aus. Schätzungen zufolge erwiesen über 500 000 Menschen am Montag bis tief in die Nacht hinein den Toten am Nationaldenkmal für den unbekannten Soldaten die letzte Ehre. Bis zu vier Stunden warteten die Menschen, um sich in das Trauerbuch einzuschreiben oder um Blumen niederzulegen.

Rund eine Million Italiener begleiteten am Dienstag die 19 Särge durch die Stadt zur Basilika Sankt Paul vor den Mauern. Gegen Mittag begann in der großen Kirche der Gedenkgottesdienst, der von Kardinal Camillo Ruini zelebriert wurde. Er würdigte die Toten als „Gefallene“, die für Italien und den Frieden in der Welt ihr Leben gelassen hätten. Das zweistündige Hochamt wurde in allen privaten und öffentlich-rechtlichen Fernsehkanälen ausgestrahlt. Besonders ergreifend waren jene Kameraeinstellungen, die nicht nur die Trauer der Verwandten der verstorbenen Soldaten zeigten, sondern auch der vielen Menschen und Ordnungskräfte, die an der Zeremonie teilnahmen. In der Basilika hatten sich Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi, die gesamte Regierung sowie zahlreiche Spitzenpolitiker eingefunden. Ministerpräsident Silvio Berlusconi und der Ex-Regierungschef Giulio Andreotti zeigten, so ein Sprecher des Staatsfernsehens RAI, „versteinerte Gesichter und konnten nur mit Mühen ihre Tränen unterdrücken“. Im Anschluss an den Gottesdienst, den die RAI über große Bildschirme vor dem Gotteshaus ausstrahlte, wurden die Särge in die Heimatdörfer der Familien transportiert.

Aufsehen erregte eine Äußerung des Bischofs von Caserta Raffaele Nogaro, der das Segnen der toten Soldaten kritisiert hatte, weil die Kirche damit auch den Gebrauch von Waffen legitimiere. Der Innenminister sowie andere Regierungsvertreter bezeichneten diese Kritik als unhaltbar und begrüßten die Entscheidung von Kardinal Ruini, die Toten am Ende des Gottesdienstes zu segnen.

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