Politik : Ein Landwirt an der SPD-Spitze

In Schwerin übernimmt der Agrarminister Ringstorffs Parteiamt

Andreas Frost[Schwerin]

Früher als erwartet will Harald Ringstorff am kommenden Wochenende den SPD-Landesvorsitz in Mecklenburg-Vorpommern abgeben. Nach seinem klaren Wahlsieg im vergangenen September war damit eigentlich nicht vor 2004 zu rechnen. Dennoch lässt der Wegbereiter der ersten SPD/PDS-Koalition keinen Zweifel aufkommen, dass er bis zum Ende der Legislaturperiode im Herbst 2006 Ministerpräsident bleiben will. Designierter Nachfolger Ringstorffs ist Agrarminister Till Backhaus, der als ebenso populär wie populistisch gilt. Er soll am Sonnabend auf dem Landesparteitag in Neustrelitz gewählt werden. Ringstorff war seit 1990 unangefochten, aber nicht immer unumstritten SPD-Parteichef in Mecklenburg-Vorpommern.

Backhaus war schon im Januar vom SPD-Landesvorstand auf den Schild gehoben worden. Er erzielte 2002 in seinem Wahlkreis Ludwigslust mit rund 60 Prozent das beste Erststimmenergebnis in ganz Mecklenburg-Vorpommern. Als ein regionales Krankenhaus geschlossen werden sollte, trat Backhaus in den Hungerstreik. Bekannt wurde der Pferdefan auch, als er hoch zu Ross die Reitwege im Land inspizierte. Als die Elbeflut auch die mecklenburgischen Deiche bedrohte, organisierte Backhaus Bier, Brot und Würstchen bei einheimischen Betrieben und schenkte selbst an die Helfer aus – auch als die herbeigerufenen TV-Kameras wieder abgezogen waren. Bei allen Agrarkrisen der vergangenen Jahre – ob BSE- oder Nitrofenskandal – setzte sich Backhaus an die Spitze der Aufklärer. Doch ist er ein Förderer der großen Agrarbetriebe des Landes, die von den Grünen postulierte Agrarwende trägt er nur halbherzig mit.

Er wolle das Profil der SPD im Nordosten stärken, sagt Backhaus. Besonders im bislang „schwarzen“ Vorpommern, wo auch CDU-Chefin Angela Merkel ihren Wahlkreis hat, könnte er der Partei Stimmenzuwachs bringen. Ringstorffs tiefe Abneigung gegen die CDU teilte Backhaus freilich nicht, er ist nicht auf eine PDS-Zusammenarbeit festgelegt wie der Ministerpräsident.

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