Politik : „Ein Meister des Gegenangriffs“

Christoph von Marschall

Washington/New York – Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad bezweifelt weiter, dass der Massenmord an den Juden stattgefunden hat. Bei einem Auftritt vor dem angesehenen Council on Foreign Relations in New York sagte er, er wolle erst mal Beweise für den Holocaust sehen. Als der 81-jährige Versicherungsmanager Maurice Greenberg berichtete, er sei bei der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau dabei gewesen, entgegnete Ahmadinedschad, man müsse „eine unabhängige Studie“ in Auftrag geben.

In der Vergangenheit hatte Irans Präsident mehrfach den Holocaust geleugnet und damit weltweite Empörung ausgelöst. Unter den Nazis waren sechs Millionen Juden umgebracht worden. In der Debatte mit prominenten US-Außenpolitikern ließ Ahmadinedschad immer wieder Zweifel am Holocaust einfließen und äußerte eine eigenwillige Sicht des Zweiten Weltkriegs: 60 Millionen Menschen seien umgekommen, davon zwei Millionen Soldaten, die jüdischen Opfer seien „nur eine kleine Gruppe“ gewesen. „Warum macht man von ihnen so viel Aufhebens?“

Die US-Regierung, jüdische Verbände und angesehene Außenpolitiker beider Parteien hatten Bedenken, Ahmadinedschad eine so prominente Bühne zu bieten. Wie bei seiner Rede in der Generalversammlung der Vereinen Nationen ging der Präsident auf die Kritik an Irans Atomprogramm und die UN-Auflagen kaum ein, die Urananreicherung einzustellen, weil die eine Vorstufe zum Bombenbau sein könne. Wer den Iran kritisiere, solle erst mal alle eigenen Atomkraftwerke abschalten. Er klagte die USA und den Westen an, mit ihren Atomwaffen den Weltfrieden zu bedrohen.

Brent Scowcroft, Ex-Sicherheitsberater des Präsidenten George Bush senior, sagte, Ahmadinedschad habe sich abermals als „Meister des Gegenangriffs, der Tatsachenverdrehung und Irreführung“ erwiesen. „Wenn er die herrschende Stimmung in Teheran repräsentiert, stehen uns massive Konflikte bevor.“

Während des mehrtägigen Aufenthalts in New York hatte Ahmadinedschad versucht, Bedingungen und Themen zu diktieren, und keine Toleranz für andere Lebens- und Sichtweisen erkennen lassen. Die Einladung des UN-Generalsekretärs Kofi Annan zu einem Essen mit anderen Staatsführern schlug er aus: Er könne nur kommen, wenn niemand im Raum Alkohol trinke.

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