Politik : Ein Moderater, der radikalisierte

Charles A. Landsmann

Hunderttausende nahmen am Freitag an seiner Beerdigung teil: 103 Jahre alt wurde Rabbi Elieser Menachem Schach, der mehr Religion in den jüdischen Staat hineinbrachte als jeder andere, aber auch mehr Politik in die ultraorthodoxe Welt. Israel würde anders aussehen ohne Rabbi Schach, Herrscher über die Thoraschulen, Ideologe der Ultraorthodoxen, Patron von zwei Parteien und zwei Zeitungen und politischer Königsmacher der Ultrareligiösen.

Obwohl Rabbi Schach politisch eine moderate Linie vertrat, erlaubte er Koalitionen nur mit der Rechten, weil er der "gottlosen" Linken zutiefst misstraute. Dass seine Anhänger in den letzten Jahren nach rechts abdrifteten, störte ihn deshalb nicht. Denn Schach lehnte den zionistischen Staat entschieden ab. Seinen Anhängern verbot er, sich in umstrittenen Siedlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten niederzulassen. Er sah sie als Provokation der übrigen Welt und damit das Leben von Juden gefährdend. Doch die Ultraorthodoxen setzten sich mit der Zeit über diese Weisung hinweg.

Betar Illit bei Jerusalem und Kiryat Sefer entwickelten sich zu Groß-Siedlungen von Schach-Anhängern. Diese sind inzwischen entschiedene Rückzugsgegner. Die von Rabbi Schach gegründeten Parteien Degel Thora der askenasischen Juden und Schas der sephardischen Juden haben Premier Scharon mittlerweile rechts überholt. In der Knesset stimmen der Block der religiösen Parteien - Schas, Degel Thora und Aguda - sowie die Nationalreligiösen inzwischen stets geschlossen - und stets rechts-national.

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