• Ein Mordfall aus dem Jahr 1983: Kroatien liefert Ex-Geheimdienstchef Perković an Deutschland aus

Ein Mordfall aus dem Jahr 1983 : Kroatien liefert Ex-Geheimdienstchef Perković an Deutschland aus

Die kroatischen Behörden haben ihn lange geschützt, und bis zuletzt hat Josip Perković versucht, sich dem Gericht in München zu entziehen, das seit 2008 hinter ihm her ist. Kroatien wird einmal mehr von seiner Vergangenheit eingeholt.

Adelheid Wölfl
Ausgeliefert. Der ehemalige jugoslawische Geheimdienstchef Josip Perkovic wird von der kroatischen Polizei abgeholt und zum Flughafen Zagreb gebracht. Dort ist er sechs Jahre nach dem ersten Rechtshilfeersuchen aus München an Deutschland ausgeliefert worden.
Ausgeliefert. Der ehemalige jugoslawische Geheimdienstchef Josip Perkovic wird von der kroatischen Polizei abgeholt und zum...Foto: AFP

Sechs Jahre hat es gedauert. Am Freitagvormittag hat die kroatische Polizei den ehemaligen jugoslawischen Geheimdienstchef Josip Perković den deutschen Behörden übergeben. Er wurde nach München ausgeflogen. Perković hat bis zuletzt alles versucht, um nicht nach München vor Gericht zu müssen. Nachdem diese Woche das kroatische Höchstgericht entschieden hatte, dass der ehemalige jugoslawische Geheimdienstboss bis zum 27. Januar ausgeliefert werden muss, legte dieser nochmals Berufung ein.

Perković, der in Deutschland wegen des Mordes an dem Exil-Kroaten Stjepan Djureković im Jahr 1983 gesucht wird, galt tatsächlich lange als unantastbar. Sogar die Regierung hatte versucht vor dem EU-Beitritt den EU-Haftbefehl zu unterlaufen, um Perković zu schützen.

Der Mann, der von 1979 bis 1986 in Kroatien jene Abteilung II, die für die „feindliche Emigration“ zuständig war und unter Franjo Tudjman in den 1990er noch einmal eine steile Karriere machte, machte sich über die deutsche Justiz lustig. Anlässlich eines Verfahrens 2008 in Deutschland äußerte er gegenüber einem Zeugen, dass er durch seine Verbindungen, den Versuch der Deutschen im Rechtshilfeweg an Erkenntnisse zu gelangen, im Keim ersticken würde.

Als er damals vom Gericht in München geladen wurde, schickte er ein Telegramm, er sei krank. Als sich das Gericht erkundigte, wann mit einer Gesundung zu rechnen sei, antwortete Perkovićs Anwalt zunächst wochenlang gar nicht. Auch das Rechtshilfeersuchen des Senats um richterliche Vernehmung des Zeugen in Zagreb selbst, wurde einfach nicht beantwortet. Mehrmals fragte die Deutsche Botschaft in Zagreb nach und betonte die Dringlichkeit der Sache. Doch die kroatischen Behörden reagierten auf Rechtshilfeersuchen seitens der deutschen Justiz überhaupt nicht.   

Dichtes Netz an Spitzeln 

Mit der Auslieferung von Perković muss sich das jüngste EU-Land wieder einmal seiner Vergangenheit stellen. Die Udba-Morde gehören zu einem der dunkelsten Kapitel Jugoslawiens. Denn sie stellen das Narrativ von einem relativ freien Staat infrage, der als weniger repressiv galt, als andere Staaten in Osteuropa. Tatsächlich gab es in Jugoslawien aber ein enges und dichtes Netz des Geheimdienstes Udba, in dem Zehntausende Staatsbürger mitarbeiteten. Die Udba arbeitete mit Drohungen und Erpressung. 

Nach Einschätzung des slowenischen Forschers Roman Leljak stand jeder 15. Bürger Jugoslawiens im Dienste der Udba: in Slowenien waren dies 54 000 Personen, in Kroatien 75 000. Die Udba hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Organisationen jugoslawischer Bürger im Ausland zu infiltrieren. Insbesondere die nationalistisch gesinnte kroatische Diaspora, die zum Teil aus Ustascha-Kreisen hervorging, wurde zum Ziel. Zwischen 1970 und 1989 sollen allein in Deutschland 22 Kroaten von der Udba ermordet worden sein.

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