Politik : Ein Mormone will ins Weiße Haus

Christoph von Marschall

Washington - Am Dienstag hat der Republikaner Mitt Romney, Ex-Gouverneur von Massachusetts, seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2008 erklärt und breite Aufmerksamkeit auf die konservative Partei gezogen. „Amerika lebt von der Innovation“, sagte der 59-Jährige in der Autostadt Detroit, wo sein Vater Chef von American Motors war. Flugzeuge und Autoklassiker bildeten die Kulisse. Seit Wochen blickt Amerika auf die demokratischen Kandidaten, vor allem auf Hillary Clinton und Barack Obama. Sie wäre die erste Frau, er der erste Schwarze im Weißen Haus.

Auch das Interesse an Romney lebt von einem solchen Premiereneffekt: Der 59-Jährige wäre der erste Mormone im höchsten Staatsamt. Er gilt als aussichtsreicher Überraschungskandidat. In den Umfragen führen bei den Republikanern Rudy Giuliani, New Yorks Bürgermeister während der Terrorangriffe 2001, und Senator John McCain. Beide haben wegen ihrer liberalen Haltung zu Abtreibung und Homoehe wenig Rückhalt bei der Basis. Das galt lange auch für den Ostküstenrepublikaner Romney. Er hat sich aber in jüngster Zeit in sozialen Fragen systematisch weiter rechts positioniert und Kontakt zur religiösen Rechten gesucht. Deren Unterstützung wäre auch seine beste Verteidigung gegen die weit verbreiteten Vorurteile gegen Mormonen. Viele Amerikaner halten die Mormonen nicht für eine Kirche, sondern für eine Sekte, die heute noch Polygamie praktiziere. Viele glauben auch, dass mormonische Politiker Anweisungen der religiösen Hierarchie folgen.

Laut „New York Times“ bereitet Romney derzeit eine Grundsatzrede über seinen Glauben nach dem Vorbild John F. Kennedys in den 60er Jahren vor. Kennedy war der einzige katholische Präsident und hatte mit Vorurteilen der anglikanischen und protestantischen Mehrheit zu kämpfen.

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