Politik : Ein neuer Partner gegen den Terror

Matthias Thibaut

London - Als im November 2003 Terroranschläge auf britische Ziele in Ankara verübt wurden, flog der britische Außenminister Jack Straw nach Istanbul und erklärte: „Jetzt erst recht“. Mit doppeltem Eifer werde sich Großbritannien für die EU-Mitgliedschaft der Türkei einsetzen. „Die Mitgliedschaft der Türkei bringt allen Vorteile“, erklärte Premier Tony Blair bei seinem Türkeibesuch im Mai, er sei „stolz“, dass sich Großbritannien seit Jahren konsequent dafür eingesetzt habe.

Sicherheit, Wohlstand und Glaubwürdigkeit nennt Europaminister Denis McShane als die zentralen Argumente für die Aufnahme der Türkei in die Union. Die Briten sehen in ihr einen wichtigen Verbündeten bei der europäischen Verteidigung, im Kampf gegen Terrorismus, Verbrechen, illegale Einwanderung und für Energiesicherheit.

Die Aufnahme eines islamisches Landes beweise, dass es keinen Zusammenstoß der Kulturen gebe und „religiöse Toleranz und Integration ein wesentlicher Bestandteil des europäischen Lebens sind“, sagte McShane.

Und auch die wirtschaftlichen Auswirkungen eines Beitritts werden in London anders als etwa in Frankreich positiv bewertet. Mit seinem jungen Arbeitsmarkt und enormen Investitionsmöglichkeiten könne das Land die europäische Wirtschaft beflügeln, glaubt man in London.

Bei einer Ablehnung des Bewerbers würde die Glaubwürdigkeit der EU aus britischer Sicht schweren Schaden nehmen. Immerhin sei den Türken die Aussicht auf eine Mitgliedschaft schon 1963 angeboten worden. Der britische Wunsch einer vollen Integration der Türkei deckt sich natürlich mit den Interessen von Londons amerikanischen Freunden. Die US-Regierung setzt sich seit langem für die Aufnahme ihres engen Nato-Verbündeten in den europäischen Staatenbund ein. Und auch die britischen Parteien sind sich in diesem Punkt einig. Einen Dissens gibt es nicht.

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