Politik : Ein Pfund Spaß

Robert von Rimscha

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Manchmal leistet die Politik Großes. Die FDP hat jetzt die Antwort auf eine philosophische Frage gefunden. Was ist Spaß wert? Wir erinnern uns: Die Liberalen gelten als Spaßpartei, was sie Schuhsohlenverzierungen, Fallschirmen, knallgelben Wahlkampfmobilen und sonstigem Schabernack verdanken. Der Ehrlichkeit halber sollte vermerkt werden, dass die FDP zwar offiziell ihre Pünktchen ins Geschichtsmuseum entsorgt, sich aber nie zur Spaßpartei deklariert hat. Nein, das ist ein Etikett, das die Öffentlichkeit der Partei angehängt hat. Aber solche Etiketten haften ja enorm. So. Mitte Mai steht der FDP-Bundesparteitag in Bremen an. Vom 16. bis 18., also drei Tage Spaß. Neu ist, dass die FDP hierfür eine Tagungsgebühr von 30 Euro erhebt. Auch von Journalisten, die dort nichts anderes tun, als zu arbeiten. Dafür auch noch zahlen? Wo der Spaß doch durch Tagesordnungspunkte wie „weitere Grußworte“ und „Wahl der Rechnungsprüfer“ ohnedies minimiert ist? Viele Liberale regen sich jetzt auf, weil sie nicht zahlen wollen. Zwischen FDP-Spitze und Journalistenverbänden flattern Briefe hin und her. Wie gesagt, darüber droht in Vergessenheit zu geraten, dass eine Partei nun erstmals ihrem Bundesparteitag einen Preis zugeordnet hat. Zehn Euro pro Tag. Aber auch hier wollen wir ehrlich sein. Das Geld erhalten ja nicht die Redner. Es geht an jene, die Elektronik und Essen stellen. Beim Grünen-Parteitag kostet ein halbes Brötchen 4,70. Bei der FDP gibts Brötchen, Saft und Bier gratis. Das sind die wahren Wunder der Politik: Gerade denkt man noch, philosophische Fragen wie der Wert des Spaßes seien beantwortet, und dann stellt sich heraus, dass es doch nur ums Fressen geht.

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