Politik : Ein Platz in der Hölle

Die frühere US-Außenministerin spricht bei den „Berliner Lektionen“ über Frauensolidarität und ihre Kritik an Bush

Hans Monath

Wie frei kann eine ehemalige amerikanische Außenministerin im Ausland über die Politik der Regierung Bush reden? Madeleine Albright, unter Bill Clinton die erste Frau an der Spitze des State Departments und überzeugte Demokratin, versteht es auf amüsante Weise, die Außenpolitik der gegenwärtigen US-Regierung hart zu kritisieren, ohne sich ihrem eigenen Land gegenüber illoyal zu verhalten, wie sie am Samstag in den „Berliner Lektionen“ demonstrierte. Wie die amerikanische Politik mit dem Phänomen George W. Bush und dessen „quasi- religiösem Furor“ umgehe, hatte der Moderator gerade gefragt. Zwei Worte von Albright genügten, um den Saal zum Lachen und zum Applaudieren zu bringen: „Ambassador Coats!“ Der US-Botschafter in Berlin, ein Vertrauter des Präsidenten und damit gleichsam dessen Aufpasser beim Albrigth- Auftritt, saß in der ersten Reihe.

Eine Erklärung blieb die Politikwissenschaftlerin dann aber nicht schuldig, obwohl sie klarstellt: „Ich bin Doktorin der Gesellschaftswissenschaften und nicht der Psychologie.“ Aber sie erinnerte die deutschen Zuhörer daran, dass deren Bild von Amerika vielleicht auch einer Korrektur bedürfe: Die Mehrheit der Amerikaner fühle sich durch Bush gut vertreten, durch seine einfachen Welterklärungen, seine unkomplizierte Sprache und vor allem durch seine Religiosität. Und fügte hinzu: „Ich glaube trotzdem, dass seine Wahl seltsam war.“

Im Washingtoner Streit zwischen Unilateralisten und Multilateralisten ist die Ex-Ministerin klar positioniert: Sie glaubt daran, dass die USA ihre Stärke nur dann voll entfalten können, wenn sie mit ihren Partnern zusammenarbeiten und auf sie Rücksicht nehmen. Auch ein einiges Europa liegt nach ihrer Überzeugung im Interesse der USA, weshalb sie Rumsfelds Einteilung in „altes und neues Europa“ für ein „Desaster“ hält.

Bushs Irak-Krieg war aus Albrights Sicht nicht notwendig. Nun sieht sie in dem Land „ein riesiges Durcheinander“ und darin eine gefährliche Bedrohung. Die Regierung Bush habe an eine Verbindung von Al Qaida und Saddam Hussein geglaubt, doch dafür selbst erst die Voraussetzungen geschaffen: „Das Land wird nun zu einem Treffpunkt für all die Kräfte, die uns bekämpfen.“

Großes Lob fand die geborene Tschechin für den Vermittlungserfolg der drei EU-Außenminister im Nuklearstreit mit dem Iran: „Diese Reise war sehr hilfreich und wichtig.“ Für Bush zählt das Land bekanntlich zu den Schurkenstaaten. Albright sieht im Erfolg der Europäer ein Argument dafür, warum die USA im Umgang mit moderaten islamischen Ländern auf Freunde angewiesen seien.

Übrigens bedauert es die Buchautorin, die in Europa gerade ihre Autobiografie vorstellt, dass nur so wenige Frauen sich Aufgaben in der hohen Politik zutrauen. Natürlich sind für Albright daran in erster Linie die Männer schuld. Aber Frauen, die das eigene Geschlecht verraten, müssen nach Überzeugung der US-Politikerin mit Bestrafung in einem anderen Leben rechnen: „In der Hölle“, so ist Madeleine Albright überzeugt, „ gibt es einen eigenen Ort für Frauen, die andere Frauen nicht unterstützen.“

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