Politik : Ein Psychologe für 15 000 Schüler

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Berlin (dpa/Tsp). Nach dem Amoklauf von Erfurt wird in vielen Schulbehörden der Länder über Konsequenzen nachgedacht. Dabei wird die Forderung laut, die schulpsychologischen Beratungsstellen auszubauen, um Verhaltensauffälligkeiten bei Schülern möglichst frühzeitig zu erkennen. Allerdings müssen in den meisten Bundesländern die Schulträger, also die Kommunen, für die Kosten von Schulpsychologen aufkommen.

In Rheinland-Pfalz sollen die 32 schulpsychologischen Beratungsstellen künftig stärker bei Schulverweisen eingebunden werden. Darauf verständigten sich Ministerpräsident Kurt Beck und Bildungsministerin Doris Ahnen (beide SPD). In Hessen gibt es nach Darstellung des Berufsverbandes nur noch 82 Stellen für Schulpsychologen an den rund 1600 Schulen. Damit kämen auf einen Schulpsychologen 10 000 bis 15 000 Schüler.

In Hamburg gibt es seit 1993 bei der Schulbehörde eine Stelle zur Gewaltprävention, deren Psychologen Schüler und Lehrer beraten und Kontakt zur Polizei halten. Zudem gibt es an 40 bis 50 der insgesamt 430 allgemein bildenden Schulen Hamburgs so genannte Streitschlichter. Die speziell ausgebildeten Schüler vermitteln in Streitfällen. In Schleswig-Holstein werden Lehrer geschult, um geeignete Schüler als „Schülerschlichter“ auszubilden.

In Mecklenburg-Vorpommern kümmern sich zusätzlich zu Schulpsychologen auch Schulsozialarbeiter um das Wohl der Schüler. Derzeit sind landesweit 200 Schulsozialarbeiter fest angestellt, Ende des Jahres sollen es gut 250 sein. „In dieser Größenordnung ist das in Deutschland einmalig“, sagt Referatsleiter Claus Wergin.

An den bayerischen Schulen werden nach Angaben des Kultusministeriums zahlreiche Projekte zur Gewaltprävention angeboten. Vor allem mit Teamarbeit und Rollenspielen solle das Selbstwertgefühl von schwierigen Schülern verbessert werden, sagte eine Ministeriumssprecherin.

In Sachsen gibt es nach Angaben des Kultusministeriums 60 Schulpsychologen. Auch in Berlin steht der schulpsychologische Dienst für Probleme von Schülern, Eltern und Lehrer bereit. Nach Ansicht des Berliner Schulpsychologen Wilfried Sorg muss die Zahl der gegenwärtig 75 Schulpsychologen verdoppelt werden, um rechtzeitig Lernprobleme und Verhaltensauffälligkeiten erkennen zu können.

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