• Ein Rückschritt für den Schutz der Haie - Umweltschützer kritisieren die Beschlüsse von Nairobi

Politik : Ein Rückschritt für den Schutz der Haie - Umweltschützer kritisieren die Beschlüsse von Nairobi

Lars von Törne

"Es ist eine Katastrophe", sagt Ralf Sonntag enttäuscht. "Mit dieser Entscheidung ist der rücksichtslosen Jagd auf Haie weiter Tür und Tor geöffnet." Der Artenschutzexperte der Umweltorganisation Greenpeace bedauert, dass die Internationale Artenschutzkonferenz in Nairobi, die an diesem Donnerstag zu Ende geht, drei vom Aussterben bedrohte Hai-Arten nicht unter stärkeren Schutz gestellt hat.

Umweltschützer hatten gehofft, dass die in Kenia versammelten Staaten den Handel mit Haifischflossen und Gebissen verbieten würden. Nach Angaben der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft hat sich der Handel mit Haifischflossen zwischen 1980 und 1990 verzehnfacht. Am Mittwoch, zu Beginn des entscheidenden Abstimmungsmarathons, kam für die Anträge zum Hai-Schutz nicht die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit der 150 Vertragsstaaten des Washingtoner Artenschutz-Übereinkommens Cites zusammen. Sonntag: "Damit ist der Artenschutz für Haie gescheitert."

Mit der in Nairobi getroffenen Entscheidung zum Schutz der afrikanischen Elefanten sind die Umweltschutzverbände hingegen recht zufrieden. "Das ist der beste Kompromiss, der realistisch zu schaffen war", meint Sonntag. Die Einigung sieht vor, dass der Handel mit Elfenbein verboten bleiben soll, Elefanten aber nicht in die höchste Schutzklasse eingestuft werden. "Dadurch ist der Anreiz zur Wilderei derzeit sehr gering", sagt der Greenpeace-Mann. Allerdings bestehe die Gefahr, "dass Wilderer jetzt auf Vorrat jagen und darauf spekulieren, dass die afrikanischen Elefanten bei der nächsten Konferenz in zwei Jahren wieder in eine geringere Schutzkategorie gestuft werden".

Die Bundesregierung, Greenpeace und andere Umweltschutzgruppen hatten sich vor der Konferenz besonders für den stärkeren Schutz der Wale vor Jagd und Handel engagiert. Möglicherweise mit Erfolg: In einer Vorabstimmung vergangene Woche sprach sich der zuständige Ausschuss gegen eine Lockerung der Handelsbeschränkungen aus. Ob die Endabstimmung im Plenum zum gleichen Ergebnis kommt, blieb bis zum Schluss am Donnerstag eine der spannendsten Fragen der Konferenz. Nach Angaben von Umweltverbänden versuchten vor allem die japanischen Vertreter, anderen Delegierten finanzielle Belohnungen für das "richtige" Votum anzubieten. Offen war bis zum Ende auch das Schicksal der Echten Karettschildkröte. Am Dienstagabend hatte das Komitee den kontrollierten Handel sowie eine Exportquote für Schildpatt abgelehnt. Kuba kündigte ein Veto gegen das Ausschussvotum zu dieser bedrohten Tierart an, deren leuchtendes Schildpatt teuer gehandelt wird.

Sehr zufrieden sind die Umweltschutzverbände mit dem Engagement der deutschen Delegation in Nairobi. Die rot-grüne Regierung habe sich im Gegensatz zu ihren Vorgängern sehr stark für den Artenschutz eingesetzt, lobt Greenpeace-Experte Sonntag. Insgesamt könne dürfe aber nach den zehn Konferenztagen nicht von einem großen Fortschritt für den Artenschutz gesprochen werden, schränkt er ein. "Die Konferenz hat weitgehend nur den Status Quo erhalten. Das reicht uns nicht."

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