Politik : Ein Schatten auf 20 Jahren Einheit

von und
Thomas Goretzky, erschossen am 14. Juni 2000
Thomas Goretzky, erschossen am 14. Juni 2000Foto: picture-alliance / dpa

Rechte Gewalt belastet das wiedervereinigte Deutschland von Beginn an. In den Monaten vom 3. Oktober bis zum Jahresende 1990 töteten braune Schläger und Messerstecher sechs Menschen. Bis heute haben nach Recherchen des Tagesspiegels und der „Zeit“ mindestens 137 Menschen ihr Leben bei Angriffen

rechter Täter verloren. Die Polizei hat bisher lediglich 47 Tote gemeldet. Der enorme Kontrast hat Tradition. In den Jahren 2000, 2001 und 2003 hatten der Tagesspiegel und die „Frankfurter Rundschau“ bereits Listen

veröffentlicht, in denen zuletzt 99 Todesopfer rechter Gewalt aufgeführt waren. Eine Erklärung fällt schwer. Die pauschale Behauptung, Polizei und Justiz seien auf dem rechten Auge blind, ist angesichts der Erfolge

der Behörden im Kampf gegen rechte Kriminalität nicht angebracht. Punktuell gibt es Versäumnisse,

Unsicherheiten, Fehlentscheidungen. Sie haben zur Folge, dass Gesellschaft und Staat die rechte Gefahr nicht in der vollen Dimension wahrnehmen können. Tagesspiegel und „Zeit“ dokumentieren Fälle, die fast alle in den offiziellen Statistiken fehlen.

An weitere Opfer erinnern wir im Internet unter

der Adresse www.tagesspiegel.de/opferliste

Stephan-Andreas Casdorff und Lorenz Maroldt

» Mehr Politik? Tagesspiegel lesen + 50 % sparen!

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben