Politik : „Ein stilloser und feiger Vorgang“

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Hat Sie das Votum des Bundestages gegen Lothar Bisky überrascht?

Ja, sehr. Es ist politisch so dumm, dass ich es nie erwartet hätte. Es gab ja auch keinerlei Signale im Vorfeld. Die Spielregeln des Parlaments wurden in einem stillosen und feigen Vorgang gebrochen.

Welche Motive vermuten Sie?

Das ist Feindseligkeit gegenüber der Linken. Viele Leute verübeln uns, dass wir ihre Blütenträume vereitelt haben.

War es falsch, mit Bisky den Vorsitzenden der Linkspartei für das Repräsentationsamt zu nominieren?

Nein. Die Motivation, die ich vermute, hätte auch jeden anderen getroffen. Stellen Sie sich vor, Lafontaine hätte kandidiert, was da los gewesen wäre.

Bisky ist von der Stasi als IM registriert worden, er selbst bestreitet eine Mitarbeit. Sind die ungeklärten Vorwürfe ein Problem?

Nein. Bisky war Rektor der Filmhochschule in Potsdam, bis heute hat sich keiner seiner Studenten in irgendeiner Weise negativ über ihn geäußert. Ich kenne Bisky als einen ausgesprochen gerechten, sehr sensiblen Mann. Wenn einer mir als besonders honorig aufgefallen ist aus der ehemaligen DDR, ist es er.

Wie wollen Sie weiter vorgehen?

Wir fordern eine Sondersitzung des Ältestenrates. Selbstverständlich halten wir an Bisky als Kandidaten fest. Es kann nicht sein, dass eine Geschäftsordnung, die wir mit großer Mehrheit beschlossen haben, dadurch ins Gegenteil verkehrt wird, dass man das Vorschlagsrecht von Fraktionen beharrlich unterläuft.

Das Gespräch führte Matthias Meisner.

Ulrich Maurer (56)

ist Parlamentarischer Geschäftsführer der Linksfraktion im

Bundestag. Er war

von 1987 bis 1999

Vorsitzender

der SPD in

Baden-Württemberg.

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