Politik : Ein Stück Bundesrepublik

Zum 40. Mal wird der Theodor-Heuss-Preis verliehen – unter anderem an Unep-Chef Klaus Töpfer

Hermann Rudolph

Berlin - Immerhin gleich zwei Bundespräsidenten werden der Theodor-Heuss-Stiftung zur 40. Verleihung ihres Preises die Ehre geben, der eine mit einem Grußwort, der andere mit dem Schlusswort: der gegenwärtige Amtsinhaber Horst Köhler und Richard von Weizsäcker, der seit Ende seiner Amtszeit 1994 ihren Ehrenvorsitz innehat. Doch der Festakt an diesem Freitag in Stuttgart ehrt nicht nur die mit dem Theodor-Heuss-Preis Ausgezeichneten – in diesem Jahr die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, New York, den Wirtschaftsexperten Meinhard Miegel und Klaus Töpfer, den Leiter des UN-Umweltprogramms. Mit ihm feiert der Verein auch sich selbst: Stiftung und Preis bestehen 40 Jahre. Und nicht zuletzt ehrt er Hildegard Hamm-Brücher: Denn sie hat den Verein gegründet und war in den Jahrzehnten seines Bestehens dessen Herz, Stimme und Schwungrad.

Der Preis wird verliehen für „vorbildliches demokratisches Verhalten, bemerkenswerte Zivilcourage und beispielhaften Einsatz für das Allgemeinwohl“. Er will damit dem Beispiel demokratischer und liberaler Gesinnung, das der erste Bundespräsident gegeben hat, seine Fortwirkung sichern. Allerdings legt die Stiftung Wert darauf, dass der Preis kein FDP-Preis ist. Davon zeugt auch das parteiübergreifende Spektrum der Preisträger. Mit ihnen rückt die Stiftung Jahr für Jahr zugleich ein aktuelles Thema ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Der Preis soll – wie es Hamm-Brücher mit leicht protestantischem Zungenschlag formuliert hat – auch eine „demokratische Zeitansage“ geben.

In der Tat sind die Liste der Preisträger und die mit ihnen verbundenen Themen „zu einer Chronik der laufenden Ereignisse geworden“. So hat es der Publizist und Politiker Paul Noack gesehen, ihr treuer Eckehard von Anfang an, und die Chronik des Preises, die Beatrice von Weizsäcker unter dem Titel des Heuss-Zitats „Demokratie ist keine Glücksversicherung“ vorgelegt hat, bestätigt das. Das begann mit dem ersten Preis, den der Philosoph Georg Picht und die Aktion Sühnezeichen erhielten – Picht wegen seiner Artikel-Serie „Die deutsche Bildungskatastrophe“, die gerade das Bildungswesen aus seinem Halbschlaf herausgerissen hatte, die aus der evangelischen Kirche in der DDR heraus entstandene Aktion wegen ihrer Versöhnungsarbeit. Spätere Preis-Vergaben lenkten den Blick auf die Ostpolitik, die Auseinandersetzung mit den Rechtsradikalen – schon 1970 – , Umweltschutz und Altstadtsanierung, Europa, die friedliche Revolution und wieder – dank Pisa – auf das Bildungswesen.

Es zeichnet den Preis aus, dass sich in ihm derart ein wichtiger Strang der Geschichte der Bundesrepublik spiegelt, zumal der Schübe und Tendenzen, in denen sie sich wandelte. Es gehört dazu, dass die Stiftung nicht nur bedeutende Köpfe der Republik preist, sondern auch Medaillen vergibt, die die Leistung unterschiedlichster Initiativen, Verbände, Aktionen für Benachteiligte oder Arbeitsgemeinschaften für bürgerschaftliche Anliegen anerkennen. Denn demokratische Politik gelingt nicht ohne zivilgesellschaftliche Bereitschaft zum Engagement – und auch diese Erkenntnis und ihre Beherzigung sind ein Teil der Geschichte der Bundesrepublik.

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