• Ein Tag vor der Wahl: Britische Rechtspopulisten feuern ihren Ukip-Kandidaten wegen Rassismus

Ein Tag vor der Wahl : Britische Rechtspopulisten feuern ihren Ukip-Kandidaten wegen Rassismus

Die EU- und ausländerfeindliche Partei Ukip in Großbritannien hat einen Tag vor der Parlamentswahl einen ihrer Direktkandidaten aus der Partei geworfen. Dieser hatte einen gegnerischen Kandidaten offen rassistisch beschimpft.

Die EU- und ausländerfeindliche Partei Ukip droht bei den Parlamentswahlen in Großbritannien viele Stimmen zu bekommen. Foto: AFP
Die EU- und ausländerfeindliche Partei Ukip droht bei den Parlamentswahlen in Großbritannien viele Stimmen zu bekommen.Foto: AFP

Ein Tag vor der britischen Parlamentswahl hat die rechtspopulistische UK Independence Party (UKIP) einen ihrer Direktkandidaten wegen rassistischer Drohungen rausgeworfen. „Wenn dieser Typ jemals unser Premierminister wird, knalle ich ihn höchstpersönlich ab“, hatte Robert Blay, der UKIP-Kandidat für den Nordosten von Hampshire, über seinen Konkurrenten Ranil Jayawardena gesagt. Dessen Vorfahren stammen aus Sri Lanka. Er werde Jayawardena, dem Kandidaten der konservativen Partei von David Cameron, dann eine Kugel zwischen die Augen verpassen, sagte Blay, der früher selbst Mitglied der Konservativen war. „Du bist nicht britisch genug, um in unserem Parlament zu sitzen“, fügte er hinzu.

Droht bei einer Wiederwahl von David Cameron ein folgenreicher Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union? In der EU-Metropole Brüssel wird unmittelbar vor der Parlamentswahl an diesem Donnerstag kaum ein anderes Thema hitziger diskutiert.
Auf der einen Seite stehen diejenigen, die das von Cameron versprochene Referendum über den Verbleib in der EU für brandgefährlich halten und als „russisches Roulette“ bezeichnen. Auf der anderen Seite gibt es jene, die das Risiko eines Austritts als überschaubar ansehen. Sie sehen auch Probleme für Europa bei einem Wahlsieg von Camerons Labour-Herausforderer Ed Miliband.
Der sozialdemokratische Politiker strebt zwar keine Volksabstimmung an, will aber wie Cameron Reformen durchsetzen, zum Beispiel bei der Einwanderungspolitik. „Wird es mit Miliband einfacher? Ich bin mir da nicht sicher“, kommentiert ein EU-Diplomat, der lieber anonym bleiben will. Andere verweisen hinter vorgehaltener Hand darauf, dass Camerons Herausforderer bislang wenig Interesse daran zeigte, sich mit europäischen Parteifreunden abzustimmen.

David Cameron hat wenig Freunde in der EU

Beim Amtsinhaber Cameron weiß man im offiziellen Europa zumindest, woran man ist. Der bisherige Herr von Downing Street 10 spielt schon seit längerem eine Sonderrolle. Im vergangenen Jahr wollte er den christsozialen Jean-Claude Juncker als Kommissionschef verhindern, weil dieser für eine alte, verkrustete EU stehe. Cameron scheiterte mit diesem Vorhaben. Bei langfristigen, bis zum Ende des Jahrzehnts laufenden Finanzplan für die Union drückte der Brite hingegen Sparvorstellungen weitgehend durch.
In der Runde der EU-Staats- und Regierungschefs hat der Mann aus London wenig Freunde. Es gibt aber die Hoffnung, dass er im Fall einer Wiederwahl mit vertretbaren Zugeständnissen zufriedengestellt werden könnte. Im Idealfall würde er dann 2017 das seinen Wählern versprochene Referendum abhalten, aber gleichzeitig offensiv für den Verbleib Großbritanniens in der Union werben. In einer Umfrage gab zuletzt eine klare Mehrheit der Briten an, im Fall von erfolgreichen Reformen gegen einen Austritt aus der EU stimmen zu wollen.
Als stärkstes Argument der Pro-Europäer gelten die wirtschaftlichen Risiken eines sogenannten Brexit. Experten warnen vor einer gebremsten Konjunkturentwicklung.
EU-Kommissionschef Juncker will an ein solches Szenario gar nicht denken. „Ich kann mir die Europäische Union nicht ohne das Vereinigte Königreich vorstellen“, lautet das Credo des Luxemburgers. Der EU-Veteran ist bereit, den Briten entgegenzukommen - obwohl sie zu seinen aggressivsten Kritikern zählen.
Als rote Linie gilt dabei allerdings die in den EU-Verträgen verankerte Personenfreizügigkeit. Sie ermöglicht es EU-Bürgern, in einem anderen EU-Land Arbeit zu suchen. Gleichzeitig schreibt sie Mitgliedstaaten vor, Arbeitnehmer aus anderen EU-Bürgern den eigenen Landsleuten gleichzustellen - beispielsweise hinsichtlich der Arbeitsbedingungen und aller anderen Sozialleistungen und Steuervorteile.
Cameron ist das ein Dorn im Auge. Er will EU-Einwanderer ohne Jobangebot künftig nicht mehr ins Land lassen. Zudem sollen EU-Einwanderer künftig vier Jahre lang kein Recht auf Kindergeld und auch nicht auf Hilfe für eine Sozialwohnung haben. Juncker, aber auch andere EU-„Chefs“ wie Bundeskanzlerin Angela Merkel halten solche Einschnitte für nicht hinnehmbar.
Als unumstritten gilt aber auch, dass ein britischer EU-Austritt die Staatengemeinschaft ins Mark treffen würde. Über Jahrzehnte wurde die Union erweitert, Großbritannien wurde 1973 Mitglied. Bei einem „Brexit“ würde ein großes und international immer noch wichtiges Mitgliedsland Europa den Rücken kehren. Ein Europa ohne Großbritannien dürfte Deutschland noch wichtiger machen, kommentierte unlängst die französische Tageszeitung „Le Monde“.

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