Politik : Ein Vater der Freiheit

Polens früherer Regierungschef Mazowiecki ist tot.

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Tadeusz Mazowiecki war der erste Ministerpräsident Polens nach dem Ende des Kommunismus. Die junge Demokratie in seinem Land hat der tief gläubige Katholik entscheidend geprägt. Foto: dpa
Tadeusz Mazowiecki war der erste Ministerpräsident Polens nach dem Ende des Kommunismus. Die junge Demokratie in seinem Land hat...Foto: dpa

Warschau - Manchmal konnte man Tadeusz Mazowiecki tief gebeugt am Sonntag bei der Messe in der kleinen Stephanskirche im Warschauer Stadtteil Mokotow sehen, sonst war es zuletzt um ihn still geworden. Am frühen Montag starb der polnische Freiheitskämpfer und erste Regierungschef nach der Wende in Folge einer schweren Krankheit mit 86 Jahren.

Der 1927 in der Stadt Plock geborene Mazowiecki hat die polnische Demokratie wie kaum ein zweiter Politiker geprägt. Der tief gläubige Katholik gab nach einem Jurastudium in Wroclaw (Breslau) in den Fünfzigerjahren eine katholische Wochenzeitung heraus. Noch unter den Kommunisten war er Abgeordneter der katholischen Bewegung Pax, gleichzeitig setzte sich Mazowiecki ab 1968 aktiv für politisch Verfolgte ein. Im August 1980 ging er als Berater zu den streikenden Werftarbeitern in der Danziger Leninwerft. Lange gehörte er zu Lech Walesas wichtigsten Ratgebern. An dessen Seite nahm er im Frühling 1989 auch am Runden Tisch teil.

Nach den halb freien Parlamentswahlen vom Juni 1989 wurde Mazowiecki eher widerwillig Regierungschef. Er wollte einen „dicken Strich“ unter die kommunistische Vergangenheit ziehen und lehnte damit jegliche Verantwortung seiner Regierung für das realsozialistische Erbe ab. Mazowieckis spätere politische Gegner rund um die Kaczynski-Zwillinge behaupten noch heute wider besseren Wissens, Mazowiecki habe damit die Überprüfung ehemaliger Geheimdienstler und anderer kommunistischer Verbrecher verhindern wollen. Auch Walesa überwarf sich schließlich mit ihm.

Mazowiecki kümmerte sich auch um das Verhältnis zu Deutschland. Zusammen mit Helmut Kohl nahm er im November 1989 in Kreisau an einer Versöhnungsmesse teil, die zum Symbol der Aussöhnung mit Deutschland wurde.

Sein Tod einte am Montag ganz Polen. Polens Außenminister Radoslaw Sikorski würdigte Mazowiecki als „einen der Väter der polnischen Freiheit und Unabhängigkeit“. Paul Flückiger

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