Ein Video zeigt den Anschlag in Kanada : 90 Sekunden Terror in Ottawa

Immer mehr Details über den Anschlag in Kanada werden bekannt. Ein Video zeigt die dramatischen Momente am Parlament in Ottawa. Das Motiv des Attentäters ist weiter unklar.

Gerd Braune
Ein Video zeigt, wie Michael Zehaf-Bibeau auf das Parlament zustürmt.
Ein Video zeigt, wie Michael Zehaf-Bibeau auf das Parlament zustürmt.Foto: Reuters

Das Bild wird immer klarer – und schockierender: Michael Zehaf-Bibeau benötigte nur knapp 90 Sekunden, um vom Kriegsdenkmal, wo er einen Soldaten erschossen hatte, zum kanadischen Parlament zu gelangen. Dort kam er dann in einem Kugelhagel ums Leben kam. Das Video, das die Polizei jetzt veröffentlicht, zeigt den dramatischen Ablauf der Ereignisse. Die Regierung in Kanada bekräftigte ihre Entschlossenheit, mit Verschärfung der Antiterror-Gesetze auf die Tötung des Wachsoldaten und die Erstürmung des Parlaments zu reagieren. Am Parlament wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft, auch der Schutz für Premier Stephen Harper soll verstärkt werden.

Michael Zehaf-Bibeau erschoss einen Soldaten

Das Video wurde aufgenommen von Kameras, die auf den Dächern der Parlamentsgebäude installiert sind und jetzt von der Bundespolizei RCMP veröffentlicht wurden. Es zeigt die unglaublich rasche Abfolge der Ereignisse. Es sind Sekunden, die sich in die Geschichte des Landes und das kollektive Gedächtnis eingehen werden. Gegen 9.52 Uhr hatte der 32-jährige Zahef-Bibeau hinterrücks den 24-jährigen Wachsoldaten Nathan Cirillo erschossen. Mit einem Auto fuhr er die wenigen Meter zu einer der Auffahrten zum Parlament, die durch im Boden versenkbare Poller gesichert ist. Er springt mit seiner Waffe, einem Winchester-Gewehr, aus dem Wagen. Passanten rennen in Panik davon. Zehaf-Bibeau kapert einen geparkten Ministerwagen, rast zum Haupteingang des Parlaments und rennt auf die Eingangstür zu.


„Zu diesem Zeitpunkt bemerkten RCMP-Polizisten seine Aktionen“, berichtet RCMP-Chef Bob Paulson. „Mounties“ in Wagen und zu Fuß folgen ihm. Schon vor dem Parlament feuert die Polizei auf den 32-jährigen. Dieser rennt ins Gebäude, wird von einem Wachhabenden gestoppt, der dabei einen Schuss in den Fuß erleidet, und rennt weiter. Glücklicherweise, so stellt sich nun heraus, rennt er an den beiden Sälen vorbei, in denen sich die konservative Regierungsfraktion mit Harper und die Opposition versammelt hatten. Kurz vor dem Eingang in die Bibliothek des Parlaments fallen dann die tödlichen Schüsse, die Zehaf-Bibeau niederstrecken. Auf genau 83 Sekunden reduzieren sich die dramatischen Ereignisse vor dem Parlamentsgelände, dann dauert es nur wenige Sekunden, bis Zehaf-Bibeau erschossen wird.

Die persönlichen Probleme des Mannes begannen 2004


Zehaf-Bibeau ist der Sohn eines libyschen Vaters und einer kanadischen Mutter, wurde am 16. Oktober 1982 in Montreal geboren. Er besuchte eine private, französischsprache Schule. Seine Probleme begannen etwa 2004: Er kam mehrmals mit dem Gesetz in Konflikt, zog nach West-Kanada. Seine Bindungen an die Familie brachen weitgehend ab. Er wurde zu einem überzeugten Moslem und radikalisierte sich, wie die Polizei berichtet. Er hatte sogar Probleme mit seiner Moschee in Burnaby, deren offene tolerante Einstellung gegenüber Andersgläubigen er offenbar nicht akzeptierte.

Zwei Wochen vor dem Attentat traf der Mann in Ottawa ein


Die Motive für seine Tat aber liegen weiter im Dunklen, auch stellt sich weiter die Frage, wie weit seine Radikalisierung ging. Vor etwa zwei Wochen traf er in Ottawa ein, lebte in einem Obdachlosenheim und traf seine Mutter, erstmals seit fünf Jahren. Er beantragte einen Pass, denn er wollte nach Syrien reisen, wie Susan Bibeau, eine Mitarbeiterin des Einwanderungsministeriums, später berichtete. Das Passverfahren war noch nicht abgeschlossen. Zehaf-Bibeau war nicht auf der Liste der rund 90 Personen, die als radikalisiert gelten und die von der Polizei beobachtet werden.

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