Politik : Ein weiterer Pirat gibt auf

Berlin - Der Erfolg der Piratenpartei setzt einigen Vorstandsmitgliedern offenbar zu. Am Montag zog Bundesschatzmeister Rene Brosig seine erneute Kandidatur für das Amt wegen persönlicher Überlastung zurück. Durch doppelte Arbeit in Beruf und Partei befinde er sich in einem Zustand der permanenten Anspannung, schrieb der Familienvater aus Mittelfranken auf der Internetseite der Piraten. „Eine Nacht ist bei mir heute nach etwa vier bis fünf Stunden Schlaf zu Ende und freie Wochenenden gibt es praktisch nicht mehr.“ Der ständige Stress mache ihn zunehmend gereizt, schrieb Brosig weiter: „Deswegen war ich im letzten Jahr nicht der Ehemann, der ich sein sollte und ich war auch nicht der Freund, der ich sein müsste.“ Brosig ist nicht der erste Spitzenpirat, der sich von seinem Amt zurückzieht: Die prominente politische Geschäftsführerin der Partei, Marina Weisband, hatte zu Beginn des Jahres angekündigt, nicht erneut für ein Vorstandsamt kandidieren zu wollen und dies ebenfalls mit Überlastung begründet. Auf dem letzten Landesparteitag der Berliner Piraten zog überraschend Landeschef Gerhard Anger seine Kandidatur zur Wiederwahl zurück. Er sagte damals, er ertrage die „emotionale Belastung“ nicht länger, was unter anderem mit einer Affäre um Erpressungs- und Nötigungsvorwürfe im Landesverband zu tun hatte. Brosigs Entscheidung rührt aber auch an die Professionalisierungsdebatte, die die Piratenpartei führt und bei der die Bezahlung von Vorstandsämtern ein Thema ist. Im Moment bekommt niemand dafür Geld, dass er im Bundesvorstand der Piraten arbeitet. kch

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