Ein Zwischenruf : Flüchtlinge sollten schneller arbeiten können

Die meisten Flüchtlinge stehen dem Arbeitsmarkt nach zwei Jahre zur Verfügung. Einige sind dann gut vorbereitet. Aber was ist mit denen, die kaum in der Schule waren? Ein Kommentar.

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Ich heiße, ich komme aus - soweit ist alles klar. Aber was mache ich in Deutschland, solange ich nicht arbeite? Eine Frage, die viele Flüchtlinge beschäftigt.
Ich heiße, ich komme aus - soweit ist alles klar. Aber was mache ich in Deutschland, solange ich nicht arbeite? Eine Frage, die...Foto: dpa

Werden die Flüchtlinge unsere Renten retten oder das Sozialsystem sprengen? Diese polemische Frage stellt der Deutschlandfunk in diesen Tagen seinen Hörern zum Thema, ob und wie Flüchtlinge tatsächlich im deutschen Arbeitsmarkt ankommen. Ausgangspunkt ist der vor einem Jahr geäußerte Kanzlerinsatz „Wir schaffen das“. Nun wird genauer hingeschaut – und die Reaktionen auf die Radiofrage sind absehbar.

Was für eine Krämerseelenfrage, wir retten doch Menschen, nicht die Altersversorgung, sagen die Willkommensenthusiasten. Die Schwarzmaler dagegen sehen ihre Befürchtung bestätigt, dass viele Aufgenommene den Versorgungsstaat lebenslang ausnutzen werden, ohne Beiträge zu leisten.
Es hat schon etwas, wenn die größte öffentlich-rechtliche Rundfunkstimme die Stabilität des Sozialstaats in einem Atemzug nennt mit der Aufnahme von Flüchtlingen. Noch herrscht Zuversicht, die neue Integrationsstrategie werde greifen, weil diesmal, anders als in der Gastarbeiterzeit, die Neuen sich erst einmal in aller Ruhe vertraut machen können mit der Sprache, mit Land und Leuten. In der Regel müssen sie dem Arbeitsmarkt erst nach etwa zwei Jahren zur Verfügung stehen – dann aber qualifiziert.

Die jungen Leute lernen, dass es auch ohne Arbeit geht. Das ist nicht gut

Hört sich gut an, aber passt dieses Konzept für die vielen jungen Männer, die in Syrien, in Afghanistan, im Sudan oder in Nigeria vor der Flucht kaum je in der Schule waren, sondern sich mit Hilfsjobs über Wasser gehalten haben? Was machen die zwei Jahre lang?

Sie haben nur wenig zu tun: 600 bis 800 Stunden Deutschunterricht und ab und zu vielleicht ein Praktikum. Was fangen sie an mit den Pausen dazwischen, die sie meistens im Wohnheim verbringen in Gesellschaft der eigenen Sprachgruppe? Qualifiziert sie diese Untätigkeit für irgendetwas? Oder lernen sie stattdessen nicht vielmehr, dass hierzulande andere Menschen für ihren Lebensunterhalt arbeiten?

Daran kann man sich schnell gewöhnen. Man sollte also früher anfangen mit der Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt, gekoppelt mit Weiterbildungsangeboten, wie es etwa in Kanada schon nach wenigen Monaten Aufenthalt geschieht. Das wünschen sich auch viele Asylberechtigte. Außerdem gilt: Je höher die Arbeitsbeteiligung der Flüchtlinge ist, desto großzügiger die Aufnahmepolitik.

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