Einbürgerung : Keine Lust auf den deutschen Pass

Der Einbruch bei den Einbürgerungszahlen um rund 15 Prozent hat auch bei christdemokratischen Fachpolitikern Besorgnis ausgelöst. Nordrhein-Westfalens Integrationsminister Armin Laschet (CDU) nannte das Minus "alarmierend".

Andrea Dernbach

Berlin/Düsseldorf In seinem Land liegt die Zahl sogar noch höher – 2008 ließen sich dort 20 Prozent weniger Menschen einbürgern als 2007. „Wir müssen dringend die Gründe analysieren“, sagte Laschet. „Wenn bürokratische Hemmnisse bestehen, müssen wir sie abbauen.“

Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte über die Zahlen berichtet und als Gründe den neuerdings vorgeschriebenen Sprachtest genannt, der offenbar gerade viele hier lebende Migranten abschrecke. Auch der Ämter-Hürdenlauf, der per Gesetz der Einbürgerung vorgeschaltet sei, sei hinderlich. In Berlin lag das Minus, wie der Tagesspiegel erfuhr, bei elf, in Brandenburg bei 13 Prozent.

Während sich die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Laschets Parteifreundin Maria Böhmer, dagegen aussprach, angesichts der Zahlen die Anforderungen zu lockern, ließ Laschet offen, ob auch der Einbürgerungs- und der Deutschtest abschreckend wirkten. Er wandte sich aber gegen „monokausale“ Erklärungen. Der viel kritisierte Einbürgerungstest jedenfalls sei kein Hindernis – „97 Prozent der Einbürgerungswilligen bestehen ihn“, sagte er.

Ob Einbürgerung der Lohn für erfolgreiche Integration oder Teil davon sein soll, wird seit langem diskutiert. Neuerdings ist jedoch belegt, dass sich der Pass auszahlt – auch für den Staat: Das Hamburger Weltwirtschaftsinstitut stellte für die Migrationsbeauftragte 2008 fest, dass eingebürgerte Migranten mehr verdienen und produktiver sind als die ohne deutschen Pass – etwa, weil sie seltener Visa auf Auslandsdienstreisen brauchen und ihre Chefs an ihre Bindung an Land und Arbeitsplatz glauben. 

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