Politik : Einbußen durch Abwanderung und Geburtendefizit

Rita Nikolow

Berlin - Sachsen-Anhalts Bevölkerung schrumpft: Seit 1990 ist die Zahl der Einwohner von 2,9 Millionen auf weniger als 2,4 Millionen gesunken. „Allein im vergangenen Jahr hat das Land 28 000 Einwohner verloren“, sagte Regierungschef Wolfgang Böhmer (CDU) am Mittwoch auf dem 2. Demografie-Kongress in Berlin. Dabei könne man 56 Prozent der Fälle auf Abwanderung zurückführen, 44 Prozent würden durch das Geburtendefizit verursacht. Zudem sei die Zahl der Sterbefälle doppelt so hoch wie die Zahl der Geburten, und die Bevölkerung werde immer älter: „Die Zahl der unter 18-Jährigen hat sich seit der Wiedervereinigung nahezu halbiert“, erklärte der Ministerpräsident.

Die sinkende Bevölkerungszahl hat für das Bundesland massive finanzielle Konsequenzen, denn der innerdeutsche Finanzausgleich bemisst sich nach der Einwohnerzahl. „Sachsen-Anhalt verliert jährlich 65 bis 70 Millionen Euro“, erklärte Böhmer. Die Landespolitik habe auf den demografischen Wandel in Sachsen-Anhalt reagiert, indem sie die kommunale Verwaltung der Zahl der Einwohner angepasst habe. In einer Kreisgebietsreform wurde die Anzahl der Landkreise von 21 auf 11 verringert. Die wirtschaftliche Enwicklung des Bundeslandes müsse durch Innovationen befördert werden. „Die neuen Bundesländer müssen sich eine eigene Marktnische schaffen, sonst haben sie keine Chance,“ betonte Böhmer. Außerdem sei eine Verbesserung des Schulsystems nötig, um „aus der geringer werdenden Zahl von Kindern das Optimale herauszuholen zur Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandorts“, sagte der Ministerpräsident.

Künftig solle nach Ansicht des CDU-Politikers auch das Potenzial der älteren Generation besser genutzt werden. Instrumente wie den Vorruhestand werde man sich bald nicht mehr leisten können. Böhmer betonte, dass Sachsen-Anhalt dasBundesland mit der höchsten vorschulischen Kinderbetreuung sei. Bereits 1991 sei der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz im Gesetz verankert worden. Das habe viel Geld gekostet und Sachsen-Anhalt bundesweit viel Spott und den Vorwurf der „DDR-Denke“ eingebracht. Viele junge Mütter hätten das Bundesland trotz dieses Angebots verlassen – weil sie in Sachsen-Anhalt keinen Arbeitsplatz gefunden hätten. Rita Nikolow

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