Politik : Einchecken mit dem Daumen

Barbara Junge

Berlin - Noch bevor auf deutschen Reisepässen und Personalausweisen Fingerabdrücke gespeichert werden, startet die Lufthansa ein Projekt zur Kontrolle per Fingerabdruck. „Möglichst noch 2006“ sollen die Bordkarten der Lufthansa durch einen Fingerabdruck personalisiert werden, sagte ein Sprecher der Lufthansa. Wer eincheckt, gibt am Schalter seinen Fingerabdruck ab, beim Boarding wird dieser mit dem auf der Bordkarte automatisiert verglichen. So will die Lufthansa verhindern, dass Reisende, die nicht auf der Passagierliste stehen, mitfliegen. Seit Montag testet die Lufthansa solche Bordkarten in einem Laborversuch.

Das einmalige Speichern der Fingerabdrücke auf den Bordkarten ist nur ein Teil des Lufthansa-Projekts. Daneben wird es für Vielflieger eine Karte mit eingescanntem Fingerabdruck geben, eine so genannte Smart-Card. Deren Daten werden in einer Datei gespeichert und beim Einchecken direkt auf die Bordkarte des Vielfliegers übertragen. Wer seinen Fingerabdruck nicht abgeben will, der kann für die herkömmliche Personenkontrolle anstehen. Eine zügige Abfertigung wird allerdings nur den Inhabern biometrischer Bordkarten versprochen. Das Projekt zielt auch auf eine weniger kosten- und zeitaufwändige Kontrolle der Passagiere.

Die Grünen beurteilen das Lufthansa- Projekt kritisch. „Jeder kann Happy Digits machen“, meint die innenpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag,Silke Stokar, in Anspielung auf die Bonusprogramme von Einkaufshäusern, „aber die Gefahr wird immer größer, dass die biometrischen Daten missbraucht werden.“ Stokar fürchtet weniger einen Missbrauch durch die Unternehmen oder den Staat. „Eines Tages verfügt die organisierte Kriminalität über Fingerabdrücke vieler Bürger“, warnt sie. Nicht alle dieser Chips seien wirklich sicher.

Der Vorsitzende der deutschen Datenschutzkonferenz, Thilo Weichert, sieht in den Bordkarten, so die Daten sofort wieder gelöscht würden, keine großen Probleme. Schwieriger sei die Erfassung der Daten in einer zentralen Datei. „Das Problem bei diesen Verfahren ist, dass die Menschen ihre Daten zur Verfügung stellen, ohne sich darüber im Klaren zu sein, was damit passieren kann.“

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