Politik : Eine afrikanische Karriere

Die Umweltschützerin Wangari Maathai erhält heute den Friedensnobelpreis – ganz Kenia feiert mit der früheren Oppositionellen

Christoph Link[Nairobi]

Vor ihrem Abflug nach Oslo wurde in Kenia ausgiebig gefeiert: An diesem Freitag erhält die Baumschützerin Wangari Maathai den Friedensnobelpreis. Sie nehme ihn stellvertretend für „die Kenianer“ entgegen, sagte Maathai bei einer Abschiedsparty im Safari Park Hotel in Nairobi. Seit Tagen schwebt Kenia auf einer Art öffentlicher Wangari-Welle, alte Mitstreiterinnen im Kampf gegen die Diktatur von Daniel Arap Moi feierten mit ihr und erinnerten an die 90er Jahre, als sie gemeinsam gegen die Inhaftierung von Oppositionellen protestierten. Doch die Zeiten haben sich geändert. Die Ära Moi gehört der Vergangenheit an, Ende 2002 wählten die Kenianer den früheren Oppositionellen Mwai Kibaki zum Präsidenten. Und der holte Maathai als Vizeministerin für Umwelt und natürliche Ressourcen ins Kabinett.

Seit der Bekanntgabe der Nobelpreisträgerin im Oktober bekam die 64-Jährige schon 300 Einladungen aus aller Welt. Kenias Tourismusverband will sie als „Botschafterin des guten Willens“ verpflichten. Falls man für „Sicherheit und Sauberkeit in Nairobi“ sorge, ließ Maathai wissen, könne sie den Auftrag annehmen. Sie hat versichert, das Preisgeld von 1,1 Millionen Euro zumindest in Teilen in den Umweltschutz zu stecken. In Kenia sähe man es jedoch gern, wenn die Vizeministerin ihren Lebensstil aufwerten und aus ihrer Mittelklasse-Wohngegend im Stadtteil South C in Nairobi in ein besseres Wohnviertel umziehen würde.

Mit der Begründung, sie müsse sich auf ihre Rede in Oslo vorbereiten, war Maathai lange von der Presse abgeschirmt worden. Bei einem Auftritt mit den früheren Preisträgerinnen Schirin Ebadi und Jody Williams beim Landminengipfel in Nairobi vergangene Woche demonstrierte sie, dass sie für Reden keine Vorbereitung braucht: Dort hielt sie eine freie Rede über ihren Weg von der Umweltschützerin zur Kämpferin für Menschenrechte und Politikerin. Ihr Kampf habe begonnen, als Frauen zu ihr mit Beschwerden gekommen seien, es fehle am Grundbedarf: Essen, Wasser und Feuerholz. Es sei längst ein Kampf um die schwindenden „natürlichen Ressourcen“ entbrannt. In der Berliner „Tageszeitung“ forderte Maathai nun einen generellen Schuldenerlass für die afrikanischen Staaten. Ansonsten drohe den armen Ländern die ökologische Zerstörung durch eine gnadenlose Ausbeutung ihrer Ressourcen.

In Kenia sieht sie mit der Wende von Moi zu Kibaki Besserung: „Es ist keine perfekte Regierung, aber wir versuchen unseren demokratischen Freiraum auszuweiten.“ Tatsächlich sind viele Kenianer ernüchtert. Das Versprechen, die Korruption zu bekämpfen, hielt Kibaki nicht, die Kriminalität steigt, und die Gesundheits- und Verfassungsreform lässt auf sich warten. Maathai selbst fiel mit Äußerungen auf, wonach das Aidsvirus in westlichen Labors zur Ausrottung von Afrikanern erfunden worden sei. Als sie von der Ehrung aus Oslo erfahren hatte, antwortete Maathai auf Journalistenfragen, man könne die Laborthese nicht ausschließen. Immerhin: Gegenüber ihrer politischen und persönlichen Freundin – der deutschen Entwicklungsstaatssekretärin Uschi Eid, die sie später zu den Äußerungen befragte – legte Maathai dann eine Art Dementi ab. Eid sagte dem Tagesspiegel, dass ihr Maathai versichert habe, ihre in Kenias Presse zitierten öffentlichen Äußerungen seien verdreht worden.

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