Politik : Eine Alternative zu Kutschma war und ist nicht in Sicht

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Die Ukrainer haben ihre Wahl getroffen. Entschieden haben sie aber nichts. Dem bisherigen Präsidenten Kutschma halfen sie mit ihren Stimmen, das Duell gegen seinen kommunistischen Herausforderer zu gewinnen. Doch der alte und neue Amtsinhaber ist mit seinem Denken ebenfalls ein Altfunktionär aus der Sowjetzeit. Kutschma ist weder wirklich "prowestlich", wie ihn viele Kommentatoren gerne apostrophieren, noch reformfreudig. Im Gegenteil: Der dringend erforderliche Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft ist unter seiner Herrschaft verschleppt worden, der schon früher sehr bescheidene Lebensstandard in dem zweitgrößten Flächenstaat Europas sinkt im Sturzflug. Warum Kutschma trotzdem siegen konnte? Die Westukrainer, die eine andere historische Identität haben als ihre früher stets unter Moskaus Herrschaft lebenden Landsleute im Osten, sehen in Kutschma einen Garanten für die Unabhängigkeit. Sie wählten ihn mit einer Mehrheit von 90 Prozent. Zum anderen war für viele Ukrainer sicherlich der Sowjetnostalgiker Lukaschenko, der Diktator im benachbarten Weißrussland, ein abschreckendes Beispiel. Eine Alternative zu Kutschma ist nicht in Sicht. Eine echte Wahl hatten die Ukrainer daher nicht.

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