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Eine Frage des Standpunkts : Wer hat Schuld am Nahostkonflikt ?

25.11.2012 08:36 UhrVon Yakov Hadas-Handelsman, Salah Abdel Shafi
1947 bis 2012 Seit vielen Jahren stehen sich Israelis und Palästinenser zumeist feindlich gegenüber. Der Konflikt scheint kein Ende zu finden. Immer wieder werden Hoffnungen enttäuscht.Bild vergrößern
1947 bis 2012 Seit vielen Jahren stehen sich Israelis und Palästinenser zumeist feindlich gegenüber. Der Konflikt scheint kein Ende zu finden. Immer wieder werden Hoffnungen... - Foto: REUTERS

Acht Tage kämpfte Israels Armee im Gazastreifen mit der radikalislamischen Hamas. Nun die Waffenruhe: Ob sie lange hält, weiß niemand. Denn noch immer gibt es keinen dauerhaften Frieden zwischen Palästinensern und Israelis. Die beiden höchsten diplomatischen Vertreter in Deutschland erläutern ihre Sichtweise.

In den vergangenen Jahren mussten eine Million Israelis im Süden des Landes in ständiger Angst vor Raketen aus dem Gazastreifen leben. Es war ihnen unmöglich, ein normales Leben zu führen, da sie nie wissen konnten, wann der nächste Alarm ausgelöst wird – wenn überhaupt, denn nicht immer gibt es eine entsprechende Warnung. Familien, Kinder, Frauen und Männer, junge wie alte Menschen mussten mitten in der Nacht in den Bunkern Zuflucht suchen, wenn die Sirenen heulten. Die Bewohner israelischer Dörfer und Städte lebten unter dieser ständigen Bedrohung.

Diese Situation dauert schon viel zu lange an. Sie ist unerträglich und inakzeptabel.

Wir sprechen über ein palästinensisches Gebiet, das wir bereits vor sieben Jahren zurückgegeben haben – ohne Abkommen, als eine Geste des guten Willens. Und um zu beweisen, wie ernst es uns mit dem Wunsch nach Frieden ist. Wir haben 30 Siedlungen verlassen, 10 000 Menschen mussten ihre Heimat aufgeben. Dieser Schritt geschah mit Unterstützung der internationalen Gemeinschaft, die bereit war, die Palästinenser mit hohen Summen zu unterstützen. Das Ziel war, den Gazastreifen in ein Singapur des Nahen Ostens zu verwandeln. Aber nachdem die Hamas die Macht an sich gerissen hatte, wurden im Gazastreifen statt Mikrochips Raketen gebaut. Die andauernden Raketenangriffe waren der Grund für die israelische Militäraktion „Säule der Verteidigung“. Unser Ziel lautete und lautet sehr einfach: Ruhe gegen Ruhe.

Yakov Hadas-Handelsman ist seit März dieses Jahres Israels Botschafter in Berlin. Zuvor war der 1957 in Tel Aviv geborene Diplomat unter anderem in Jordanien und in Brüssel tätig. Dort vertrat er sein Land bei der Nato und der Europäischen Union.Bild vergrößern
Yakov Hadas-Handelsman ist seit März dieses Jahres Israels Botschafter in Berlin. Zuvor war der 1957 in Tel Aviv geborene Diplomat unter anderem in Jordanien und in Brüssel tätig.... - Foto: dapd

Nach einer langen Zeit der Zurückhaltung, nachdem wir wieder und wieder gewarnt haben, wurden die monatelangen Raketenangriffe der Hamas auf Städte und Dörfer von Israel mit einer starken militärischen Reaktion beantwortet. Nun wurde am Mittwoch eine Waffenruhe erreicht, die von den USA und Ägypten – sowie mit sehr positiver Unterstützung und Hilfe von Deutschland – vermittelt wurde. Wird diese Feuerpause von der Hamas und den anderen islamistischen Terrorgruppen im Gazastreifen respektiert werden? Werden sie ihre Verpflichtung einhalten? Oder werden sie sich entscheiden, weiterhin unsere Bürger mit ihren Angriffen in Gefahr zu bringen? Es ist unmöglich, die Zukunft vorherzusagen. Doch ich denke, es gibt bereits einige Schlüsse, die man aus den Ereignissen der vergangenen Wochen ziehen kann.

Es ist zu erkennen, dass sich Ägypten unter Präsident Mursi in einer sehr konstruktiven Weise positioniert hat. Dies kann als sehr positive Entwicklung angesehen werden, nicht nur im Zusammenhang mit dem Gazastreifen, sondern auch in der gesamten Region.

Die israelische Regierung hat entschlossen und umsichtig agiert. Wir haben alles getan, um das Leben unserer Bürger zu schützen und ebenso das der Zivilbevölkerung auf der palästinensischen Seite – und das, obwohl die Hamas gezielt Zivilisten als Schutzschilde für ihre Terroraktivitäten benutzt. Unsere Umsicht ist Teil unserer Stärke, und sie ist einer der Gründe für die große internationale Unterstützung, die Israel während dieser Operation „Säule der Verteidigung“ erfahren hat.

Das Raketenabwehrsystem „Iron Dome“ ist ein strategisches und rein defensives Instrument, das täglich israelischen Zivilisten das Leben rettet. Es handelt sich um eine außergewöhnliche technologische Errungenschaft Israels, die weltweit einzigartig ist und mit Sicherheit noch weiterentwickelt werden wird. „Iron Dome“ hat zusammen mit anderen hochtechnologischen Waffensystemen, die der jüdische Staat einsetzt, dazu geführt, dass die Zahl unschuldiger ziviler Opfer auf beiden Seiten deutlich kleiner geblieben ist, als dies etwa bei der Militäroperation „Gegossenes Blei“ vor vier Jahren der Fall war.

Dazu haben auch ungewöhnliche Aktionen der israelischen Verteidigungsstreitkräfte beigetragen: Die Bevölkerung im Gazastreifen wurde mit Plakaten, Flugblättern, persönlichen SMS und Anrufen vor bevorstehenden Angriffen gewarnt – auch wenn das dazu geführt hat, dass wir dadurch den Terroristen weniger Schaden zufügen konnten. Denn wenn ein unschuldiger Zivilist getroffen wird, ist dies für uns ein operativer Fehler. Für die Hamas ist genau dies das Ziel ihrer Angriffe und ein Erfolg: Zivilisten zu treffen.

Wir schätzen die deutsche Haltung und die eindeutigen Äußerungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Guido Westerwelle sehr. Hier in Deutschland sind Ursache und Wirkung des jüngsten Konflikts nicht verdreht worden. Die Hamas und andere Terrororganisationen haben unschuldige Israelis angegriffen, und das ist nicht hinzunehmen. Nach internationalem Recht hat Israel das Recht und die Pflicht, sich und seine Bürger zu verteidigen. Die Rolle Deutschlands bei den Verhandlungen ist mit den besonderen und einzigartigen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Israel verknüpft und resultiert auch aus Deutschlands Gewicht im Nahen Osten und Europa. Nicht nur von Regierungsseite, sondern auch von der deutschen Bevölkerung haben wir große Unterstützung und Solidarität erfahren.

Israels Blick auf den Nahen Osten gründet auf Frieden und Sicherheit. Wir haben immer unsere Hand zum Frieden ausgestreckt und waren gleichzeitig darauf vorbereitet, unsere militärische Kraft zu unserer Verteidigung einzusetzen. Die israelische Regierung hat in den vergangenen Jahrzehnten die Palästinensische Autonomiebehörde wieder und wieder dazu aufgerufen, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Das ist der einzige Weg, um einen dauerhaften Frieden zu erreichen. Verhandlungen sind das beste Instrument gegen die terroristischen Kräfte, die das größte Hindernis auf dem Weg zum Frieden sind. Israel hat sein Verantwortungsbewusstsein bewiesen, indem es dem Waffenstillstand zugestimmt hat. Wir hoffen, nun positive Schritte auf dem Weg zu Dialog und Frieden zu sehen. Ruhe und ein Ende des Terrors sind der Schlüssel zum Frieden.

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