Eine Frage des Vertrauens : Wie sich die SPD um die Gewerkschaften bemüht

SPD-Chef Sigmar Gabriel ist weiterhin bemüht, „Freundschaft“ zu den Gewerkschaften aufzubauen. IG Metall-Vize Detlef Wetzel ist skeptisch – die Voraussetzungen dafür müssten erst noch erfüllt werden.

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SPD-Parteivorsitzender Sigmar Gabriel gibt zu, dass es „zwischen den Verwandten“ auch Streit gibt. Foto: dpa
SPD-Parteivorsitzender Sigmar Gabriel gibt zu, dass es „zwischen den Verwandten“ auch Streit gibt.Foto: dpa

Nein, ganz so schnell möchte sich der Vize der IG Metall vom SPD-Chef in der Öffentlichkeit nicht vereinnahmen lassen. Gerade hat Sigmar Gabriel bei der Vorstellung des Buches von Detlef Wetzel („Mehr Gerechtigkeit wagen“) die historische Verwandtschaft seiner Partei und der Gewerkschaften beschworen. Hat „Freundschaft“ zwischen der SPD und den Arbeitnehmervertretern als Ziel ausgegeben, da setzt der Umworbene ein Stoppsignal. Zwar habe Gabriel eine „sehr freundliche Beschreibung“ abgeliefert, meint der Gewerkschafter. Doch Voraussetzung für gegenseitiges Vertrauen sei, „dass man viele Gemeinsamkeiten hat“ – und dazu, so lautet seine Botschaft, müssten die Sozialdemokraten noch kräftig in Vorleistung treten.

Seit Jahren arbeitet die SPD daran, das Verhältnis zu ihren alten Verbündeten wieder zu kitten. Schon Gabriels Vorgänger haben sich offensiv darum bemüht. Deshalb ist er der Bitte Wetzels gefolgt und stellt in Berlin dessen Buch vor. Er preist es als wichtigen Beitrag zur Debatte um Gerechtigkeits- und Verteilungsfragen, als ehrliche Bilanz des Gewerkschaftskampfs und als „so etwas wie ein Geschichtsbuch für die neueste Sozial- und Gewerkschaftsgeschichte“.

Aber noch hat sich die alte Vertrautheit zwischen den historischen Partnern nicht wieder eingestellt – vor allem, weil die „völlige Entfremdung und unendliche Bitternis“ (Wetzel) aus der Zeit der Regierung Schröder bei den Arbeitnehmervertretern noch nachwirkt. Immerhin lobt der IG Metall-Vize, Gabriels starkes Bekenntnis zum Wert der Arbeit sei für die Gewerkschaft „ein wichtiges Signal“, dass sie mit der SPD wieder gemeinsame Projekte realisieren könne.

Der SPD-Chef will zwar um das Verhältnis zu den Gewerkschaften „kämpfen“, seine eigenen Positionen aber deshalb nicht schleifen. „Wie das so ist, zwischen Verwandten gibt es manchmal Streit“, sagt er. Schließlich will Gabriel auch das aufgeklärte Bürgertum und die linken Intellektuellen gewinnen. Offensiv verteidigt er deshalb seine Vorschläge zur Rentenreform, die der IG-Metall und anderen Gewerkschaften überhaupt nicht gefallen. „Da gibt es deutlich Luft nach oben, wesentliche Fragen werden nicht behandelt“, mahnt Wetzel mit Blick auf die geplante Absenkung des Rentenniveaus. Und „fast schon doof“ findet es der kritische Sozialdemokrat und Metaller, dass Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) das Thema Altersarmut schon vor der SPD aufgegriffen hat.

Einig sind sich der Chef der SPD und der IG Metall-Vize immerhin in der Analyse, dass die Zeit des Neoliberalismus vorbei sei und die Menschen nach Gemeinschaft lechzten. „Wir sind in einer Zeitenwende. Das Pendel schlägt zurück“, sagt Wetzel. Gabriel nickt.

Zu einem möglichen SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück möchte sich der Gewerkschafter übrigens nicht äußern („Wir mischen uns nicht ein“). So wenig wie zu eigenen Ambitionen auf die Führung der Gewerkschaft. „Nicht jeder, der ein Buch schreibt, wird IG Metall-Vorsitzender“, meint er dazu salopp: „Es schadet aber auch nichts.“

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