Politik : „Eine Kampagne des politischen Gegners“ Wolfgang Kubicki zum Fall Karsli

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Herr Kubicki, der FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt wirft Jürgen Möllemann parteischädigendes Verhalten vor. Sehen Sie das auch so?

Das ist barer Unsinn. Und es bestätigt meinen Eindruck, dass alle, die in der FDP schon immer mal ein Hühnchen mit Jürgen Möllemann rupfen wollten, die Gelegenheit jetzt nutzen.

Müssen Sie Möllemann in Schutz nehmen?

Nein. Jürgen Möllemann ist stark genug. Aber die Maßlosigkeit der Kritik sagt mehr über den inneren Zustand derjenigen aus, die zurzeit versuchen, ihn zu diskreditieren.

Möllemann schürt keine antisemitischen Ressentiments?

Das wäre eine Beleidigung. Wer wie ich Möllemann schon seit dreißig Jahren kennt, der weiß, dass er kein Antisemit ist. Das ist doch alles ein Teil einer Kampagne von unseren politischen Gegnern. Möllemann wird für den Machtkampf im Zentralrat der Juden zwischen Paul Spiegel und Michel Friedman instrumentalisiert. Das wird nicht gelingen.

Aber nicht nur der politische Gegner ist empört über Möllemann, sondern auch viele Ihrer Parteifreunde.

Der moralische Rigorismus, mit dem die Debatte geführt wird, macht mir Angst. Ich bin seit 32 Jahren Mitglied der Freien Demokraten, einer Partei, die der Rechtstaatlichkeit und der Meinungsfreiheit verpflichtet ist. Es wird so getan, als ob Möllemann oder Karsli schwerste Verbrechen begangen hätten. Karsli hat seine Bemerkungen gemacht, als er noch Mitglied der Grünen war. Für diese Äußerungen hat er sich mehrmals entschuldigt. Was soll denn der arme Mann noch tun.

Karsli sollte also FDP-Mitglied bleiben?

Ich glaube, Herr Karsli wird von sich aus rasch Konsequenzen ziehen. Weil er sieht, dass politische Mitwirkungsmöglichkeiten innerhalb der FDP derzeit nicht möglich sind. Die Diskussion ist ein Zeichen mangelnder politischer Kultur in Deutschland.

Das Gespräch führte Christian Böhme.

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