Politik : …eine Maus in Tränen ausbricht

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Tiere ziehen immer, weil ganz viele von denen Knopfaugen haben oder – wie der extrem eitle ZooGorilla Ivo – am ganzen Körper behaart sind. Tiere sind aber vor allem interessant, weil sie sich insofern vom Menschen unterscheiden, als dass sie ihren Bedürfnissen meist unmittelbar folgen. Wenn sie Lust haben, dem Sitznachbarn in der U-Bahn die unmanikürten Krallen über die Schnauze zu ziehen, tun sie das. Brutal und ungestraft. Im Tierreich gilt das eher lösungsorientierte Recht des Stärkeren, das denkt doch jeder. Aber es ist falsch, Knopfaugen hin oder her.

Manchmal gelingt eine Klärung komplexer Sachverhalte aus dem Reich der Menschen mit Hilfe einer schlichten Parabel. Beispiel: Japanische Forscher von der Uni Tokio haben herausgefunden, dass männliche Mäuse dann und wann Rotz und Wasser heulen – also in Wirklichkeit über ein sehr viel dünneres Nervenkostüm verfügen als Micky Maus, Bernhard und Jerry vermuten lassen. Der Hammer ist, dass sich männliche Mäuse mit der Heulerei als Mann zu erkennen geben. Das heißt, sie machen sich attraktiv, indem sie Schwäche demonstrieren statt Überlegenheit! Die Träne als Zeichen von Männlichkeit! Irgendwie postfeministisch, diese Mäusewelt. Die Moral: Wäre Gerhard Schröder eine Maus, er wäre sehr wahrscheinlich die unattraktivste im ganzen Land.

Nächstes Beispiel: Politik ist eine komplizierte Sache. Zwei wollen Kanzler sein, sie „sondieren“ daher ununterbrochen „die Lage“, kommen jedoch auf keinen grünen Zweig. Die Lösung, die das Tierreich für dieses Problem bereit hält, heißt Tina. Die Süßwasserschildkröte wurde in einem Land entdeckt, dessen Erzählkunst in der Tradition des magischen Realismus steht, Kuba nämlich.

Weil Tina zwei Köpfe hat, die unabhängig voneinander funktionieren, erregte sie in Havanna natürlich große Aufmerksamkeit. Eine Zeitung mit dem andernorts undenkbaren Namen „Juventud Rebelde“ berichtete. Tina ist also von der Anatomie her in der Lage, mit einem Kopf Nahrung aufnehmen, während sie mit dem anderen verträumt den Flüchtlingsbooten nachschaut. Tina kann den einen Kopf schütteln und mit dem anderen nicken usw. Und wenn ihr langweilig wird, wovon nicht auszugehen ist, hat sie theoretisch die Möglichkeit, bis kurz vor Sonnenaufgang aufreibende Sondierungs- und Spitzengespräche zu führen.

Kopf 1: „Ich habe eindeutig den Auftrag zur Regierungsbildung erhalten.“

Kopf 2: „Nein, ich.“

Kopf 1: „Ist noch Kaffee da?“

Die Moral: Zwei Kanzler, aber nur ein verdammter Panzer. Tja! Das muss die Kröte eben unter sich ausmachen. Es kann aber noch eine Weile dauern. oom

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