Politik : „Eine stürmische Affäre“

Chirac besucht Blair – und streut Salz in die Wunden

Matthias Thibaut

London - Eine stürmische Liebesaffäre, „un amour violent“,  verbinde Frankreich und Großbritannien, sagte Frankreichs Präsident Jacques Chirac, bevor er zu einem zweitägigen Staatsbesuch den Fuß auf die Insel setzte. Er kam, um die vor 100 Jahren geschlossene Entente cordiale zu feiern. Trotzdem brachte er die Republikanergarde mit, die dann mit der Queen’s Guard die Ehrenwache bildete. Denn zumindest auf rhetorischer Ebene befindet sich die stürmische Liebe in einer etwas frostigen Phase.

Der Grund sind der Irak und die Differenzen Europas mit den USA. Blair und Chirac gaben sich alle Mühe, das Verbindende zu betonen. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz unterstrich Blair die einmütige Haltung zu Themen wie der Armut in Afrika, dem Klimawandel und selbst Europa, das schon häufiger Anlass zu Streitigkeiten zwischen Paris und London gegeben hat. Chirac sagte, Paris werde diese Prioritäten „aktiv unterstützen". „Wo Differenzen bestehen, sollten diese im Geist der Solidarität und nicht im Konflikt beigelegt werden,“ sagte er.

Frankreichs Präsident konnte es dennoch nicht lassen, vor seiner Visite Salz in Blairs Irakwunden zu streuen. Der Krieg habe „die Welt gefährlicher gemacht", sagte er der BBC. Er bezweifle, dass Blair mit seiner Treue zum US-Präsidenten Zugeständnisse gewonnen habe oder als „ehrlicher Makler" zwischen den USA und Europa fungieren könne. Nicht einmal die Briten hätten großen Einfluss in Washington. Auch Blair unterstrich die Differenzen, als er Chiracs Ideen von Europa als Konkurrenzmacht zu den USA zurückwies. Blair beschwor stattdessen die USA zum Multilateralismus und forderte weniger Arroganz im Umgang miteinander.

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