Politik : Eine symbolische Wende - wohin? (Kommentar)

cvm

Kriegsentscheidend war das noch nicht. Aber Grosnys Fall markiert einen Einschnitt im zweiten Kaukasuskrieg. Er könnte zum Wendepunkt werden. Fragt sich nur: Wende wohin? Im besten Fall eröffnet sich jetzt die Chance für eine politische Lösung, die der Westen seit Anbeginn fordert. Nach dem hochsymbolischen Erfolg könnte der Kreml aus einer Position der Stärke verhandeln. Es ist allerdings zweifelhaft, dass man in Moskau so denkt. Zudem hat Interimspräsident Putin das Wahlvolk im Auge. Immer wieder hat er mit martialischen Worten die "Vernichtung" der "Banditen" versprochen und sich damit unter Zugzwang gesetzt, die militärische Entscheidung zu suchen oder wenigstens bis zum 26. März, dem Wahltag, so zu tun - trotz des warnenden Beispiels: Als Moskaus Truppen im ersten Krieg um Tschetschenien Anfang 1995 in die Hauptstadt vordrangen, erlitten sie so hohe Verluste, dass der Kreml unter dem Druck von Soldatenmüttern und Menschenrechtlern einlenken und am Ende seine Soldaten ganz abziehen musste. Die Truppen haben aus dem Debakel gelernt, setzen den Rebellen diesmal mehr zu, wie Grosny zeigt. Und doch werden sie das Bergland im Süden nicht unter Kontrolle bekommen und auch in der Ebene nicht vor Partisanenüberfällen sicher sein. Putins Wunschlösung ist allenfalls eine Lösung auf kurze Zeit, mittelfristig wird sie im "déjà-vu" von 1995 enden. Der Westen sollte ihn nochmals zu Verhandlungen drängen.

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