Politik : Eine unbekannte Größe

Die SPD in Hessen hat ihren Partei- und Fraktionschef nun auch zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl gemacht. Bökel ist sich sicher: Ich packe den Koch

Christoph Schmidt Lunau[Wiesbaden]

Gerhard Bökel nimmt die „Kraft der Veränderung“ für sich in Anspruch. Das war der Titel seiner Rede am Samstag beim Parteitag der hessischen SPD. Seine Genossen jubelten und machten ihn mit einem überragenden Ergebnis zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl am 2. Feburar 2003.

„Ich bin schneller, kräftiger und konditionsstärker!“ Wenn sich Bökel mit dem amtierenden Ministerpräsidenten, Roland Koch (CDU), vergleicht, dann gerne in sportlichen Disziplinen. Als ehemals erfolgreicher Hammerwerfer weiß sich der 56-Jährige hier dem 12 Jahre Jüngeren klar überlegen. Auch rhetorisch wähnt er sich dem Unionsmann mit den bundespolitischen Ambitionen mindestens ebenbürtig. In dieser Bewertung folgen ihm wenige. An mangelndem Selbstbewusstsein fehlt es jedenfalls nicht.

Bereits 1978 betrat der Jurist die landespolitische Bühne. Die Stufen der Karriereleiter: 1985 Landrat, 1994 Innenminister in Hans Eichels erstem rot-grünen Kabinett, 1997 zusätzlich Landwirtschaftsminister. 1999, am schwarzen Wahlsonntag der hessischen SPD, habe er beschlossen, „das Ding wieder herumreißen“ zu wollen, als SPD-Spitzenkandidat. Sein Weg an die Spitze der hessischen SPD geriet ihm aber zunächst zum Hindernislauf. Parteifreunde streuten Zweifel an seiner Eignung. Hans Eichel trat dem Eindruck nicht entschieden entgegen; er favorisiere seinen früheren Wirtschaftsminister, Lothar Klemm, oder den Offenbacher Oberbürgermeister, Gerhard Grandke. „Nein, das alles hat mich nicht verletzt, ich nehme so etwas sportlich“, sagt der Kandidat, der inzwischen mit überzeugenden Mehrheiten zum Vorsitzenden von Landespartei und Landtagsfraktion gewählt worden ist. Bökel, ein freundlicher Mann, mit offenem Blick und hoher Stirn, strahlt Zuversicht aus. „Ich packe den Koch“, versichert er seit Monaten seinen eher zaghaften Genossen.

Bökel verspricht landesweite Ganztagsschulangebote, das letzte Kindergartenjahr soll verbindlich und für die Eltern gebührenfrei werden; schließlich will die SPD die zuletzt hohe Jugenarbeitslosigkeit in Hessen mit staatlichen Programmen auf Null bringen. „Drei dicke Dinger“ seien das, sagt Bökel. Auf die Frage nach der Finanzierbarkeit, setzt sich der Kandidat vom strikten Sparkurs ab: Er werde sich nicht auf einen Zeitpunkt festlegen, zu dem der Landeshauhalt ausgeglichen gestaltet werden könne.

CDU und FDP wollen mit ihrer Regierungsbilanz in den Wahlkampf ziehen: „Unterrichtsgarantie erfüllt, innere Sicherheit verbessert und Infrastruktur gestärkt!“ Als der Herausforderer gegen diese Bilanz zuletzt im Landtag zu punkten versuchte, nannte der Ministerpräsident Bökels Kritik „eher rührend als gefährlich“. Doch der Herausforderer glaubt an seine Chance. Der Amtsinhaber, Roland Koch, gelte zwar als durchsetzungsstark aber eben auch als unehrlich. Doch Bökel hat das Problem aller Herausforderer: Bestenfalls jeder zweite in Hessen kennt ihn überhaupt.

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