Politik : Eine Vier in Bildung

Internationale NGO rügt Deutschlands Entwicklungshilfe

Jan Dörner

Erst fand Deutschland sich nach der Pisa-Studie bei den Hinterbänklern wieder, und jetzt gibt es schon wieder schlechte Noten für das Bemühen um Bildung. Die internationale Initiative „Global Campaign for Education“ hat Bundeskanzler Gerhard Schröder am Dienstag ein Zeugnis ausgestellt: Mit der Note Vier, also nur einem „Ausreichend“. Beurteilt wurden das entwicklungspolitische Engagement von 22 Staats- und Regierungschefs. Klassenbester sind die Niederlande, Deutschland landet auf dem zehnten Rang. In dem Zeugnis heißt es, dass „Gerhards Engagement“ unter innenpolitischen Rangeleien leide. „Er muss der Grundbildung insgesamt mehr Zeit und mehr Entwicklungshilfe widmen.“ Gemessen an Gerhards Leistungspotential sei das Erreichte enttäuschend.

Das Ziel der „Global Campaign for Education“ ist, dass bis zum Jahr 2015 weltweit alle Kinder kostenlos die Grundschule besuchen können. „Wenn die reichen Länder sich aber künftig so wenig engagieren wie bisher, werden wir das im Afrika südlich der Sahara frühestens im Jahr 2150 erreichen. Das ist nicht hinnehmbar“, sagte Jörn Kalinski, Sprecher der Hilfsorganisation Oxfam, die zu den Organisatoren der Initiative gehört.

Mehr als 100 Millionen Kinder weltweit gehen nicht zur Schule, weitere 150 Millionen verlassen die Grundschule ohne Abschluss. Um die reichen Länder an diese Problematik zu erinnern, gab es die Zeugnisse zwei Tage vor Beginn der Geberkonferenz der „Fast Track Initiative“ (FTI) in Oslo.

Diese Initiative fördert Regierungen von Entwicklungsländern, die die Grundbildung in ihrem Land verbessern wollen. Sie wird von Deutschland unterstützt, was auch von der „Global Campaign for Education“ gelobt und mit der Note „Gut“ bewertet wurde. Schlechte Beurteilungen gab es dagegen dafür, dass Deutschland weniger als die international vereinbarten 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens für Entwicklungshilfe ausgibt, zu wenig Mittel für Grundbildung bereitstellt und sich in seiner Hilfe zu wenig auf die ärmsten Länder der Welt konzentriert.

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