Eine Woche vor der Wahl in Großbritannien : David Cameron gewinnt letztes TV-Duell

Eine Woche vor der Parlamentswahl in Großbritannien bleibt es spannend. Das letzte große TV-Duell am Donnerstagabend brachte noch einmal Musik in den ansonsten eher langweiligen Wahlkampf. Umfragen sahen Premier David Cameron als Sieger.

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Premier David Cameron stellte sich wie die anderen Kandidaten genau 28 Minuten den Fragen.
Premier David Cameron stellte sich wie die anderen Kandidaten genau 28 Minuten den Fragen.Foto: Reuters

Die letzte TV-Debatte vor den britischen Parlamentswahlen am 7. Mai sorgte noch einmal für Schwung im Wahlkampf. Höhepunkt des Live-Duells in der BBC waren scharfe Wortwechsel des Publikums mit Labourchef Ed Miliband über die Ausgabenpolitik in den Jahren bis zum Finanz-Crash 2008. Ein junger Mann fragte Ed Miliband: "Geben Sie zu, dass Labour zu viel ausgegeben hat, als Ihr an der Macht wart?" Als Miliband antwortete: "Nein,  wir haben Schulen und Kindergärten gebaut", reagierte das Publikum empört. "Wenn Sie nicht akzeptieren, dass Labour zu viel ausgegeben hat, wie um Himmels willen können wir Euch vertrauen, dass ihr es nicht wieder tut"?, sagte eine Frau. 

Labourchef Ed Miliband wurde vom Publikum hart angegangen

Professionelle Journalistenfragen gab es in den Sendungen der Serie "Question Time" außer gelegentlichen Ergänzungen des Moderators nicht. Sieger war das Publikum, das mit scharfen Nachfragen die Schwachpunkte der drei Parteichefs David Cameron (Tory), Ed Miliband  (Labour) und Nick Clegg (Liberaldemokraten) aufdeckte. Jeder wurde separat genau 28 Minuten verhört. In regional ausgestrahlten Sendungen wurden andere Parteichefs befragt.

Deutlich wurde, wie wenig Vertrauen die Wähler in die Kandidaten haben. "Sie haben gelogen", sagte ein Mann, der David Cameron fragte, warum er die Einwanderung nicht wie versprochen auf unter 100.000 im Jahr gesenkt habe. Cameron beantwortete viele Fragen ausweichend, verteidigte aber leidenschaftlich seinen Plan, das Defizit auszugleichen und lieber den Sozialhaushalt zu deckeln, als Gelder für den Gesundheitsdienst zu kürzen. "Es dauert, bis wir die Trümmer aufgeräumt haben, die man uns hinterlassen hat. Wir sind erst zur Hälfte fertig mit dem Aufbaujob", sagte Cameron.

Labourchef Miliband entschuldigte sich förmlich für Labours Politik beim Irakkrieg und die ungebremste Immigration unter Labour. Ein Eingeständnis, dass Labour unter Gordon Brown mit zu viel Vertrauen in die britische Wirtschaftskraft die Ausgaben überzog, verweigerte er aber erneut. Wirtschaft und Haushaltspolitik gelten als die größten Schwächen des Labour Angebots. Deshalb sprachen sich am Donnerstag auch zwei führende Wirtschaftszeitungen, der "Economist" und die "Financial Times", für eine Wiederwahl der Konservativen beziehungsweise eine Fortsetzung der bisherigen Koalition aus.

Die schottische Separatistenpartei wird eine Schlüsselrolle spielen

Miliband erregte auch Aufsehen, als er eine Koalition oder einen Pakt mit der schottischen SNP nach der Wahl so entschieden ablehnte, wie noch nie. Labour steht durch einen erwarteten Erdrutschsieg der nationalistischen SNP in Schottland unter enormem Druck: Der Verlust von bis 41 schottischen Laboursitzen an die Separatistenpartei wird es Miliband wohl unmöglich machen, im Alleingang eine regierungsfähige Mehrheit zu erzielen. Die radikal linke SNP und ihre Parteichefin Nicola Sturgeon setzen darauf, eine Labour-Minderheitsregierung an der Macht zu halten, sie dafür aber zu zwingen, die Staatsausgaben zu erhöhen und die Interessen der Separatissten in Schottland durchzusetzen. "Wir werden keinen Pakt mit der SNP haben. Wenn es bedeutet, nicht an der Regierung zu sein, dann ist es eben so. Ich setze die die Zukunft unseres Landes aufs Spiel", sagte Miliband und deutete so an, er werde lieber auf eine Regierungsübernahme verzichten, als mit der SNP zu paktieren.. Sturgeon konterte später in einer nur in Schottland ausgestrahlten "Question Time": "Ich hoffe ich habe das nicht richtig gehört. Denn es klang so, als wolle Miliband lieber eine konservative Regierung, als mit der SNP zusammenzuarbeiten."

Umfragen nach den Einzelbefragungen sahen David Cameron als Sieger

Als Miliband von der Bühne ging und leicht ausrutschte, gab es einen Twittersturm mit mehr als 4.000 Texten pro Minute.  Ein Omen für die Wahl?

Die Auswertung von Twitter-Reaktionen und eine kurz nach der Sendung vom "Guardian" veröffentlichte Umfrage sahen übereinstimmend Cameron als Sieger mit 44 Prozent gegenüber 38 Prozent für Miliband.  In Umfragen liegen Labour und die Konservativen seit Wochen mehr oder weniger unverändert Kopf an Kopf. Der Durchschnittswert der letzten Umfragen  gibt Labour 33 Prozent nd den Konservativen 34 Prozent. Damit würde keine der beiden großen Parteien eine regierungsfähige Mehrheit erzielen.

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