Politik : Eine Zelle, nicht der Kopf

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Von Albrecht Meier

Genau 31 Stunden dauerte es, bis Beamte der Hamburger Polizei nach den Anschlägen vom 11. September die Marienstraße in Hamburg-Harburg absperrten. Es brauchte nicht lange, bis bei der Suche nach den Urhebern die ersten Spuren in die Hansestadt wiesen. Dort hatten etliche der Attentäter vom 11. September studiert. Unklar war bisher die Antwort auf die Frage, ob der Plan zum Angriff auf das World Trade Center auch in Hamburg entstand oder anderswo. Neun Monate nach den Anschlägen hat sich FBI-Direktor Robert Mueller detailliert zur Vorgeschichte des 11. September geäußert. In Hamburg, sagte Mueller der „Washington Post“, wurde jedenfalls nicht die Idee des Angriffs auf das World Trade Center geboren.

Mueller widerspricht damit einer Denkschule unter amerikanischen Geheimdienstlern, die den Ursprung für den Anschlag in Deutschland vermuten. Der Terror-Pilot Mohammed Atta, der am 11. September mit dem ersten der gekaperten Flugzeuge in den Nordturm des World Trade Center raste, gilt als Kopf der 19 Terroristen. Wie mehrere andere Attentäter hatte Atta an der Technischen Universität Hamburg-Harburg studiert.

Weil Mueller inzwischen den aus Kuwait stammenden Khalid Scheich Mohammed für eine Schlüsselfigur hält, wird die Bedeutung der „Hamburger Zelle“ für die amerikanischen Ermittler möglicherweise wieder geringer. „Die Hintermänner waren in Afghanistan, und sie saßen ganz oben in der Al-Qaida-Hierarchie“, so der Direktor des FBI.

Aber auch nach dieser Einschätzung oblag Mohammed Atta und seinen Gefolgsleuten nicht nur die bloße Ausführung der Pläne aus Afghanistan. In Hamburg wurde die Idee eines verheerenden Anschlags konkretisiert, glaubt der FBI-Direktor. Das Geld, über das die Studenten reichlich verfügten, stammte nach den Worten Muellers aus Afghanistan und wurde über die Vereinigten Arabischen Emirate weiter nach Deutschland geleitet.

Trotz der Genauigkeit, mit der sich Mueller geäußert hat, wächst die Kritik am FBI und dem Geheimdienst CIA. Weil sie möglicherweise entscheidende Hinweise vor dem 11. September nicht rechtzeitig weitergegeben haben, beschäftigt sich ein Kongressausschuss mit den Geheimdiensten. Konsequenzen hat das mögliche Versäumnis bereits: Am Donnerstagabend wollte US-Präsident George W. Bush die Schaffung eines neuen Zentrums für geheimdienstliche Aufklärung bekannt geben.

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