Politik : EineMinisterin kämpft gegen Beschneidung

Christoph Link

Nairobi - Als die Schülerin Linah vor gut 30 Jahren von der Schule nach Hause kam, schwante ihr Böses. Es waren viele Leute vor ihrem Elternhaus, die den Beschneidungsritus an ihr vorbereiteten. Auch in Kenia ist und war das Entfernen der Klitoris, in manchen Fällen sogar der Schamlippen, ein uralter Brauch. Die junge Linah rannte davon und versteckte sich bei Verwandten. Rückhalt hätten ihr ihre sechs Brüder sowie die örtliche Kirche gegeben, sagte die gläubige Christin Linah Jebii Kilimo kürzlich bei einem Vortrag. Ansonsten stand sie allein gegen das Dorf. Die ausgebildete Bankkauffrau ist heute mit einem Mann aus ihrer Heimatregion verheiratet und hat fünf Kinder. Präsident Mwai Kibaki ernannte sie nach seinem Wahlsieg vor zwei Jahren zur Ministerin im Amt des Vizepräsidenten. Ihr Rollenvorbild für Mädchen war dafür entscheidend. Bei einer Kabinettsumbildung wurde Kilimo kürzlich zur Ministerin für Heimatangelegenheiten befördert.

Offiziell ist die Beschneidung in Kenia seit 1999 gebannt und steht unter Strafe. Der Brauch sei aber noch immer weit verbreitet, sagt Kilimo. Sie schätzt, dass 38 Prozent aller Kenianerinnen beschnitten seien. In manchen ländlichen Gebieten würden noch 80 bis 90 Prozent eines Jahrgangs beschnitten. Für die Eltern bedeutet die Beschneidung, dass die Mädchen als erwachsen gelten und sofort verheiratet werden können – was die Zahlung eines Brautgeldes mit sich bringt.

Die deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und Action Aid bieten alternative Riten des Erwachsenwerdens an, aber oft werden die Mädchen später dennoch heimlich verstümmelt. Ministerin Kilimo wirbt für ein interministerielles Komitee zum Kampf gegen die weibliche Genitalverstümmelung. Außerdem macht sie sich für die Unterzeichnung des Maputo-Protokolls der Afrikanischen Union stark, das diese Methode verbietet.

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